Euro sinkt auf neuen Rekordtief zum Franken

Euro-Symbol vor der alten EZB

Euro-Symbol vor der alten EZB | Foto: Gregor Meier

Der Euro hat gestern gegenüber dem Schweizer Franken ein neues Mehrjahrestief erreicht. Der Kurs fiel zeitweise unter 0,92 Franken. Damit setzt sich die Abwertung der Gemeinschaftswährung fort.

Anleger suchten verstärkt Sicherheit. Kapital floss in den Franken. Er gilt in unsicheren Zeiten als verlässlicher Hafen. Schwache Konjunktursignale aus der Eurozone belasteten den Euro zusätzlich. Auch die geldpolitische Perspektive der Europäischen Zentralbank sorgt für Zurückhaltung am Devisenmarkt.

Druck kam zuletzt auch aus einem anderen Marktsegment. Der Bitcoin verlor deutlich an Wert. Investoren trennten sich von riskanten Anlagen und reduzierten Engagements in volatilen Märkten. Diese erhöhte Risikoscheu stärkte indirekt den Franken. Ein direkter Zusammenhang zwischen Kryptowährungen und dem EUR/CHF-Kurs besteht zwar nicht. Beide reagieren jedoch sensibel auf die globale Marktstimmung.

Welche Auswirkungen hat der schwache Euro?

Industrie und Gewerbe spüren den Druck besonders stark. Kleine und mittlere Unternehmen verfügen oft über geringere Währungsreserven als Grosskonzerne. Sie können Kursschwankungen schwerer abfedern. Absicherungsgeschäfte verteuern zudem die Planung. Langfristige Verträge verlieren an Kalkulationssicherheit.

Tourismusbetriebe kämpfen ebenfalls. Ferien in der Schweiz und in Liechtenstein verteuern sich für Gäste aus dem Euroraum. Hotels und Gastronomie geraten unter Zugzwang. Sie müssen Mehrwert bieten oder Rabatte gewähren, um konkurrenzfähig zu bleiben.

Anders zeigt sich die Lage auf der Importseite. Detailhändler beziehen Waren aus dem Euroraum günstiger. Energie, Rohstoffe und Vorprodukte kosten weniger. Unternehmen senken so ihre Einkaufspreise. Konsumenten profitieren, wenn Händler diese Vorteile weitergeben. Das stärkt die Kaufkraft im Inland.

Für Arbeitnehmer bleibt die Situation zwiespältig. Stabile Preise stützen den Reallohn. Gleichzeitig steigt der Druck auf exportabhängige Branchen. Investitionen könnten sich verzögern. Neueinstellungen erfolgen vorsichtiger.

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