Leserbrief zum Digitalsummit 24. März im Vaduzer Saal
PALANTIR ZUM 3.
Der angekündigte Auftritt von Viktoria de La Rochefoucauld, Head of Life Sciences bei Palantir Technologies, am Digitalsummit in Liechtenstein ist in der aktuellen Situation mehr als nur ein gewöhnlicher Programmpunkt. In einem Land, in dem rund die Hälfte der Stimmbürgerinnen und Stimmbürger die Einführung des elektronischen Gesundheitsdossiers (eGD) abgelehnt hat, wäre besondere politische und moralische Sensibilität geboten – nicht die Bühne für Imagepflege eines höchst umstrittenen Daten- und Sicherheitskonzerns.
Besonders irritierend ist, dass ausgerechnet ein Unternehmen prominent platziert wird, dessen Mitgründer Alex Karp sich öffentlich damit rühmt, dass mit Hilfe der von Palantir entwickelten Software Menschen geortet und letztlich getötet werden können. Wer sich derart als Zulieferer militärischer und geheimdienstlicher Zielerfassung inszeniert, verkörpert eine Logik, die mit den Grundwerten eines solidarischen Gesundheitswesens – Fürsorge, Vertrauensschutz, Nichtschädigung – fundamental kollidiert. Die Frage drängt sich auf: Wollen wir wirklich, dass der Geist eines solchen Unternehmens Einfluss auf den Umgang mit unseren intimsten Gesundheitsdaten gewinnt?
Vor diesem Hintergrund wirkt der Auftritt von Frau de La Rochefoucauld wie eine gezielte Charmeoffensive: Ein freundliches Gesicht, das im edlen Konferenzrahmen für „Innovation“ und „Fortschritt“ wirbt – und damit die harte Realität des Geschäftsmodells weichzeichnet. Noch heikler wird dies, wenn man bedenkt, dass Alex Karp Berichten zufolge bald selbst im Schaaner Villenviertel Wohnsitz nehmen wird, in einer luxuriösen, im Bau befindlichen Villa, seiner „Langlaufhütte“. Man muss die Frage stellen dürfen: Wer möchte eine Person, deren Firma sich am Töten per Software mitbeteiligt, tatsächlich als Nachbar haben – geschweige denn als indirekten Akteur im Umfeld seiner Gesundheitsdaten?
Gerade weil das eGD ohnehin auf einem fragilen Vertrauensfundament steht, wirkt es wie ein Affront gegenüber allen kritischen Bürgerinnen und Bürgern, wenn nun ausgerechnet Palantir-repräsentierende Personen ins Rampenlicht gerückt werden. Es entsteht der Eindruck, dass wirtschaftliche Interessen und die Nähe zu finanzstarken Tech-Eliten höher gewichtet werden als der Schutz der Patientenrechte und der Respekt vor jenem knappen Nein-Anteil, der vor allem aus Datenschutz- und Grundrechtsbedenken zustande gekommen ist.
Martin Wachter
Mitteldorf 16, Vaduz
