Elon Musk in Davos: Visionen von KI, Robotern und einer multiplanetaren Zukunft
Elon Musk und Laurence D. Fink | ©️2026 World Economic Forum / Ciaran McCrickard
Der Auftritt von Elon Musk beim Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos war weniger von euphorischem Applaus als von grossen Ideen geprägt. In einem rund 30-minütigen Gespräch mit BlackRock-Chef Larry Fink entwarf der Tech-Unternehmer ein ebenso ambitioniertes wie polarisierendes Zukunftsbild – eines, das von künstlicher Intelligenz, humanoiden Robotern, Solarenergie im industriellen Massstab und der Besiedlung des Mars handelt.
«Das Ziel meiner Firmen ist es, die Zukunft der Zivilisation zu maximieren, also die Wahrscheinlichkeit, dass die Zivilisation eine grossartige Zukunft hat.»
Elon Musk
Roboter als Lösung für globale Armut
Musks zentrale These: Nur durch den massenhaften Einsatz von KI und humanoiden Robotern lasse sich weltweiter Wohlstand für alle erreichen. „Wenn wir eine allgegenwärtige KI haben, die im Grunde kostenlos ist, und allgegenwärtige Robotik, dann haben wir die Lösung für globale Armut», erklärte Musk vor den versammelten Wirtschaftsführern. Seine Vision geht dabei weit: In der Zukunft werde es mehr Roboter als Menschen geben, prognostizierte er.
Die wirtschaftliche Formel sei einfach: Die ökonomische Leistung entspreche der Produktivität pro Roboter multipliziert mit der Anzahl der Roboter. Bei ausreichender Verbreitung könnten Roboter alle menschlichen Bedürfnisse decken – die Produkte würden so reichlich vorhanden sein, dass man nicht einmal mehr dafür bezahlen müsse.
Warnung vor dem „Terminator-Szenario»
Doch Musk wäre nicht Musk, würde er nicht auch die Schattenseiten beleuchten. „Wir wollen nicht in einem James-Cameron-Film landen», warnte er mit Blick auf den Sci-Fi-Klassiker „Terminator». Man müsse sehr vorsichtig mit KI und Robotik umgehen.
Dennoch zeigte sich der Unternehmer optimistisch: Bereits Ende dieses Jahres würden die Tesla-Optimus-Roboter komplexere Aufgaben in Fabriken übernehmen. 2026 sollen die humanoiden Roboter dann für Privatkunden verfügbar sein – vorausgesetzt, Sicherheit und Funktionalität seien gewährleistet.
Chinas Energie-Offensive und Solarkraft
Bemerkenswert war Musks Analyse der globalen Energiesituation. Er lobte Chinas massive Investitionen in erneuerbare Energien: Das Land produziere bereits über 1.000 Gigawatt Solarenergie pro Jahr – genug, um die Hälfte des US-Strombedarfs zu decken. „Solar ist definitiv die grösste Energiequelle», betonte Musk und verwies darauf, dass die Sonne 99,8 Prozent der Masse des Sonnensystems ausmache.
Für die USA und Europa rechnete er vor: Eine Fläche von nur 100 mal 100 Meilen mit Solarpanels würde ausreichen, um den gesamten Strombedarf der Vereinigten Staaten zu decken. SpaceX und Tesla planen nun, gemeinsam 100 Gigawatt Solarproduktion pro Jahr in den USA aufzubauen – ein Vorhaben, das etwa drei Jahre dauern soll.
Durchbruch bei Weltraumkosten steht bevor
Beim Thema Raumfahrt kündigte Musk einen fundamentalen Durchbruch an: SpaceX werde noch dieses Jahr mit dem Starship-Raketensystem vollständige Wiederverwendbarkeit erreichen. Dies würde die Kosten für den Zugang zum Weltraum um den Faktor 100 senken – auf unter 100 Dollar pro Pfund.
Die Konsequenzen seien weitreichend: Solarpanels im Weltraum seien fünfmal effizienter als auf der Erde, da dort immer die Sonne scheine und keine atmosphärische Dämpfung existiere. Musk kündigte an, dass SpaceX in wenigen Jahren solarbetriebene KI-Satelliten ins All bringen werde. Die extreme Kälte des Weltraums – nur 3 Grad Kelvin im Schatten – biete zudem ideale Kühlbedingungen für Rechenzentren.
KI wird schlauer als die Menschheit
Bei der Künstlichen Intelligenz prognostizierte Musk eine rasante Entwicklung: Bereits nächstes Jahr werde KI intelligenter sein als jeder einzelne Mensch. Bis 2030 oder 2031 – also in nur fünf Jahren – werde sie die kollektive Intelligenz der gesamten Menschheit übertreffen.
Die KI-Kosten würden dabei kontinuierlich sinken, und Open-Source-Modelle seien nur etwa ein Jahr hinter den proprietären Systemen zurück. Der limitierende Faktor sei die Verfügbarkeit elektrischer Energie: Während die Chip-Produktion exponentiell wachse, steige die Stromproduktion nur um vier bis fünf Prozent jährlich.

