Alain Berset besucht Liechtenstein
Alain Berset in Schaan | Foto: Gregor Meier
Der Generalsekretär des Europarats, Alain Berset, stattete Liechtenstein einen offiziellen Besuch ab. Am Vormittag traf er sich mit der Regierung und Erbprinz Alois, am Mittag hielt er einen öffentlichen Vortrag in Schaan. Zahlreiche Besucher folgten der Einladung zur Veranstaltung in Schaan, darunter Abgeordnete und Gemeindevorsteher.
Regierungschefin-Stellvertreterin Sabine Monauni eröffnete den Anlass und verwies auf die angespannte weltpolitische Lage. Sie nannte den Ukraine-Krieg, die Spannungen im Nahen Osten sowie aktuelle Entwicklungen in der US-Politik als Beispiele für die geopolitischen Herausforderungen, die auch Europa betreffen.

Monauni erinnerte daran, dass Liechtenstein 1978 dem Europarat beitrat. Seither hätten sich die Rahmenbedingungen grundlegend verändert. Die demokratischen Grundwerte stünden unter Druck. Sie hob das Engagement Liechtensteins während der liechtensteinischen Präsidentschaft im Ministerkomitee des Europarats von November 2023 bis Mai 2024 hervor. In dieser Zeit trieb das Land Initiativen voran, die sich mit den Folgen des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine befassen.
Berset sprach über die rasanten Veränderungen der Gegenwart. Die Welt wandle sich schneller, als viele es wahrnehmen. Schon ein Blick zehn Jahre zurück zeige, wie dramatisch sich die Lage verändert habe. Vor sechs Jahren habe noch niemand die heutigen Krisen vorausgesehen.
Die nach dem Zweiten Weltkrieg geschaffenen internationalen Institutionen stünden vor neuen Herausforderungen. Es gelte zu klären, wie diese Organisationen in der veränderten Weltordnung funktionieren können.
Ausführlich erläuterte Berset die Rolle des Europarats. Die Organisation biete eine Plattform für Dialog und Zusammenarbeit. Die gemeinsamen Werte Demokratie, Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit seien schweizerische, liechtensteinische und europäische Werte zugleich. Liechtenstein spiele dabei eine wichtige Rolle.
Auf die Frage nach der wichtigsten Aufgabe des Europarats antwortete Berset, es gehe darum, den Dialog zu pflegen. Eine Gesellschaft könne sich nur entwickeln, wenn Menschen bereit seien, miteinander zu sprechen und Kompromisse zu schliessen. Die zunehmende Kompromisslosigkeit in der heutigen Welt stelle ein grosses Problem dar. Wer allein auf Macht und Stärke setze, werde keine Stabilität erreichen.
Der Europarat müsse den Mitgliedstaaten die Möglichkeit bieten, Debatten zu führen und gemeinsam Lösungen zu entwickeln, die für alle tragbar seien.


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