Erzbischof Haas veröffentlicht offenen Brief an die Regierung
In einem offenen Brief an die Regierung hat Erzbischof Wolfgang Haas seine Bedenken gegen die geplante Revision des Ehegesetzes deutlich zum Ausdruck gebracht.
In dem Schreiben, das sich auf den Vernehmlassungsbericht der Regierung vom 12. Juli 2023 bezieht, betont Erzbischof Wolfgang Haas die treue Wiedergabe der katholischen Lehrtradition zum christlichen Verständnis von Ehe und Familie. Er argumentiert, dass die Ehe als Treuebund zwischen Mann und Frau grundsätzlich auf die Weitergabe des menschlichen Lebens ausgerichtet sei. Eine Uminterpretierung dieses Ehebegriffs sei nicht akzeptabel und widerspreche den natürlichen Gegebenheiten des Menschseins.
Haas hebt auch die verfassungsrechtlichen Bedenken hervor und weist auf Artikel 37 Absatz 2 der Verfassung des Fürstentums Liechtenstein hin, der eine Zusammenarbeit von Staat und Kirche vorsieht. Eine Einführung der «Ehe für alle» würde aus seiner Sicht nicht mit dem ursprünglichen Geist der Verfassung übereinstimmen.
Ein weiterer kritischer Punkt, den der Erzbischof anspricht, betrifft die pädagogische Bedeutung der geplanten Neuerungen. Er befürchtet, dass eine «Normalisierung» gleichgeschlechtlicher Partnerschaften Auswirkungen auf die jüngere Generation haben könnte, insbesondere im Hinblick auf religiös verbrämte Unmoral.
Die vorgeschlagene Änderung des Ehegesetzes, die eine obligatorische Ziviltrauung als Voraussetzung für die kirchliche/religiöse Trauung vorsieht, tangiert laut Haas die religiöse Freiheit und Gewissenslage der Gläubigen, für die dieser Ehebegriff inakzeptabel ist. Er regt die Überlegung einer fakultativen Zivilehe neben der kirchlichen Eheschliessung an.
In Bezug auf den Vorwurf der Diskriminierung betont Haas, dass es nicht um eine Ächtung oder Minderbewertung von Menschen mit anderer geschlechtlicher Orientierung geht. Doch die rechtliche Institutionalisierung einer gleichgeschlechtlichen Beziehung im Sinne einer Ehe würde die ethischen Grundlagen des Christentums und anderer religiöser Überzeugungen, die sich auf biblische Vorgaben stützen, infrage stellen.
Der offene Brief im Volltext ist auf der Webseite des Erzbistums Vaduz nachzulesen.
