Swissport-Streit: Am Flughafen Zürich droht ab Januar ein Streik
Flughafen Zürich | Foto: Gregor Meier
Am grössten Flughafen der Schweiz bahnt sich ein Arbeitskampf an. Die Gewerkschaften des Bodenpersonals haben die Verhandlungen über einen neuen Gesamtarbeitsvertrag (GAV) mit dem Bodenabfertiger Swissport am Montag für gescheitert erklärt. Betroffen sind rund 2000 Angestellte am Flughafen Zürich. Der geltende GAV läuft Ende Dezember aus. Kommt bis dahin keine Einigung zustande, herrscht ab Januar 2027 ein vertragsloser Zustand – und damit endet auch die Friedenspflicht. Ein Streik wäre dann rechtlich möglich.
Hinter der Erklärung stehen die Gewerkschaft des Bodenpersonals der Luftfahrt (SEV-GATA), der VPOD Luftverkehr und der Kaufmännische Verband Schweiz. „Damit nimmt Swissport einen Streik seiner Arbeitnehmenden am Flughafen Zürich in Kauf“, heisst es in ihrer Mitteilung. Der VPOD wird noch deutlicher: „Die Mitarbeitenden haben die Nase voll von den ungenügenden Lohnangeboten des Arbeitgebers und zeigen sich kampfbereit.“
Sieben gegen vier Prozent
Im Kern geht es um die Löhne. Die Gewerkschaften fordern Lohnerhöhungen von insgesamt sieben Prozent über vier Jahre. Sie begründen dies mit Einstiegslöhnen von knapp über 4000 Franken, die nach ihrer Darstellung teilweise unter dem städtischen Mindestlohn von Zürich liegen. Zudem habe die Teuerung frühere Lohnerhöhungen aufgefressen, die Angestellten hätten real an Kaufkraft verloren.
Swissport hat nach Angaben der Gewerkschaften drei Vierteln der Belegschaft lediglich 2,8 Prozent angeboten. Höhere Erhöhungen für die übrigen Angestellten würden durch Lohnsenkungen in anderen Funktionen finanziert.
Swissport weist das zurück. Das Angebot sehe Lohnerhöhungen von rund vier Prozent über die gesamte Laufzeit des GAV vor: eine generelle Erhöhung von 2,8 Prozent für alle sowie gezielte Anpassungen von bis zu sechs Prozent für bestimmte Funktionen. Für bestehende Angestellte gelte die vollständige Besitzstandswahrung. „Niemand muss eine Lohnsenkung hinnehmen“, schreibt das Unternehmen.
Streit um Arbeitszeiten
Der zweite Streitpunkt ist die Flexibilität. Swissport will die Jahresarbeitszeit ausdehnen und mehr Schichten mit sogenannten Zimmerstunden einführen – Arbeitsunterbrüchen von teilweise mehr als zwei Stunden. Die Gewerkschaften halten dagegen, das Zürcher Personal arbeite schon heute flexibler als an fast allen anderen Swissport-Standorten. Schicht- und Wochenendarbeit sowie Ruhezeiten von lediglich acht Stunden gehörten bereits zum Alltag.
Swissport begründet die Forderung mit stark schwankenden Flugvolumen, saisonalen und täglichen Verkehrsspitzen sowie kurzfristigen Änderungen im Flugbetrieb. Die Anpassungen sollen sicherstellen, dass das Unternehmen in Zürich weiterhin einen zuverlässigen Betrieb gewährleisten und wettbewerbsfähig bleiben kann. Swissport verweist darauf, als einziger Bodenabfertiger am Flughafen Zürich einem GAV zu unterstehen. Der Konkurrent sei an keinen vergleichbaren Vertrag gebunden und zahle deutlich tiefere Löhne.
Uneinig auch über den Stand der Gespräche
Selbst darüber, ob die Verhandlungen überhaupt gescheitert sind, gehen die Ansichten auseinander. Swissport bedauert, dass die Gewerkschaften die Gespräche nach acht Verhandlungsrunden einseitig für gescheitert erklärt hätten, obwohl das Angebot mehrfach verbessert worden sei. Aus Sicht des Unternehmens bewegt man sich noch im vereinbarten Zeitplan, man bleibe jederzeit gesprächs- und verhandlungsbereit.
Auch die Gewerkschaften signalisieren Gesprächsbereitschaft – allerdings nur, wenn Swissport ein faires und angemessenes Angebot vorlegt. Andernfalls planen sie Arbeitskampfmassnahmen bis hin zum Streik. Ein konkretes Datum nennen sie nicht.
Déjà-vu von 2022
Die Lage erinnert an den Sommer 2022. Auch damals waren die GAV-Verhandlungen zunächst gescheitert, auch damals drohte das Bodenpersonal mit Streik. Rund 200 Angestellte protestierten mit Trillerpfeifen und Transparenten am Flughafen gegen die Arbeitsbedingungen. Im Herbst 2022 einigten sich die Sozialpartner schliesslich auf einen neuen Vertrag. Nach Darstellung der Gewerkschaften musste das Personal dabei nach der Corona-Pandemie schmerzhafte Zugeständnisse machen, unter anderem die Abschaffung der Frühpensionierung mit 63 und höhere Pensionskassenbeiträge.
Swiss-Drehkreuz wäre direkt betroffen
Für den Flugbetrieb in Zürich hätte ein Ausstand erhebliches Gewicht. Swissport erbringt die Bodenverkehrsdienste für die Mehrheit der Fluggesellschaften am Flughafen Zürich und wickelt den Drehkreuzbetrieb der Swiss ab. Das Spektrum reicht vom Check-in und Gate über die Gepäckabfertigung und das Zurückstossen der Flugzeuge bis zur Enteisung. 2024 fertigte Swissport in Zürich nach eigenen Angaben über 24,6 Millionen Passagiere und mehr als 187’000 Flüge ab. Ein Streik träfe damit auch Reisende aus Liechtenstein, die ab Zürich fliegen.



