Bulgarien: Jotowa gewinnt Stichwahl um das Präsidentenamt deutlich

Iliyana Yotova

Ilijana Jotowa bleibt Präsidentin Bulgariens. In der Stichwahl vom Sonntag setzte sich die 61-Jährige klar gegen den prowestlichen Herausforderer Andrej Gjurow durch. Nach Auszählung von 99,68 Prozent der Wahlprotokolle kam Jotowa gemäss der Zentralen Wahlkommission auf 57,66 Prozent der Stimmen, Gjurow auf 39,38 Prozent. Rund 1,09 Millionen Wähler stimmten für Jotowa, knapp 745’000 für Gjurow. Knapp 56’000 kreuzten die Option an, keinen der beiden Kandidaten zu unterstützen.

Gjurow räumte seine Niederlage noch am Wahlabend ein und erklärte, das Ergebnis müsse so akzeptiert werden, wie es sei. Wird es offiziell bestätigt, ist Jotowa die erste vom Volk gewählte Staatschefin Bulgariens. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen gratulierte ihr bereits am Sonntag.

Knapper erster Wahlgang

Der deutliche Sieg kam nach einem überraschend engen ersten Wahlgang. Am 25. Oktober hatte Jotowa 34,8 Prozent erreicht, Gjurow 32 Prozent. Umfragen hatten der Amtsinhaberin zuvor einen klaren Vorsprung vorausgesagt. Dritter wurde mit 12,5 Prozent Kostadin Kostadinow von der nationalistischen Partei Wiedergeburt (Wasraschdane). Insgesamt waren 27 Kandidatenpaare angetreten.

Auffällig war die geringe Beteiligung. Im ersten Wahlgang gingen nur 23 Prozent der Wahlberechtigten an die Urne, ein Rekordtief. In der Stichwahl lag die Beteiligung nach Schätzungen der Meinungsforschungsinstitute zwischen 27 und 29 Prozent.

Verbündete von Regierungschef Radew

Jotowa ist erst seit Januar im Amt. Damals trat der langjährige Präsident Rumen Radew zurück, um bei der Parlamentswahl im April anzutreten. Seine Partei Progressives Bulgarien gewann die Wahl, seit Mai regiert sie allein. Jotowa war seit 2017 Radews Vizepräsidentin und rückte nach seinem Rücktritt an die Staatsspitze nach. Im Wahlkampf unterstützten sie Progressives Bulgarien und die Sozialistische Partei BSP. Viele Beobachter sahen die Wahl deshalb auch als Test für die Regierung Radew. Jotowas Kandidat für das Amt des Vizepräsidenten ist Kiril Waltschew, Generaldirektor der staatlichen Nachrichtenagentur BTA.

Die frühere Journalistin sass von 2007 bis 2017 für die Sozialisten im Europäischen Parlament. Ihre Mitgliedschaft in der BSP ruht derzeit.

Gjurow, 50, war früher Vizegouverneur der Bulgarischen Nationalbank und führte Anfang 2026 eine Übergangsregierung. Er wurde vom liberalen Oppositionsbündnis aus „Wir setzen den Wandel fort“ (PP) und „Demokratisches Bulgarien“ (DB) unterstützt.

Streitpunkt Ukraine

Inhaltlich ging es im Wahlkampf vor allem um die aussenpolitische Ausrichtung des EU- und Nato-Mitglieds. Jotowa lehnt Waffenlieferungen an die Ukraine ab, fordert eine rasche Friedenslösung und setzt auf Dialog mit Moskau. Gjurow sprach sich dagegen aus, über den Kopf der EU und der Ukraine hinweg zu entscheiden. Beide bekennen sich zur Mitgliedschaft Bulgariens in EU und Nato.

Überschattet wurde die Wahl von einer Serie von Drohnenangriffen auf Handelsschiffe vor der bulgarischen Schwarzmeerküste. Daneben beschäftigten die Wähler laut Medienberichten vor allem die steigenden Lebenshaltungskosten und die hohen Treibstoffpreise.

Das bulgarische Staatsoberhaupt wird direkt für fünf Jahre gewählt und hat vorwiegend repräsentative Aufgaben.