Triesner Gymnasiast will Wiederbelebungsunterricht zur Pflicht machen
Nevio Zogg aus Triesen übergibt die Petition für einen verpflichteten Wiederbelebungsunterricht
Nevio Zogg aus Triesen, Schüler am Liechtensteinischen Gymnasium, hat heute beim Landtag eine Petition eingereicht: Herz-Lungen-Wiederbelebung soll an allen öffentlichen Schulen des Landes verpflichtend und regelmässig unterrichtet werden. Als Datum hat er den internationalen World Restart a Heart Day gewählt.
Konkret sollen Schüler ab der Sekundarstufe I in Sonderstunden die Grundlagen der Wiederbelebung und den Umgang mit automatisierten externen Defibrillatoren (BLS-AED) lernen – und das Gelernte regelmässig auffrischen. Gestützt auf Artikel 42 der Landesverfassung ersucht Zogg den Landtag, die Petition an die Regierung zu überweisen. Diese soll die rechtlichen, organisatorischen und finanziellen Voraussetzungen schaffen und ein Umsetzungskonzept ausarbeiten.
Angestossen von einer deutschen Notärztin
Bei der Übergabe der Petition erzählte Zogg, wie er auf das Thema gekommen ist: Die deutsche Notärztin Carola Holzner habe sich in Deutschland für Wiederbelebungsunterricht an Schulen starkgemacht. Da habe er gefunden, dass es das auch in Liechtenstein brauche. Wiederbelebung gehöre zu den sinnvollsten Dingen, die man lernen könne, um einem Menschen das Leben zu retten. Er interessiere sich grundsätzlich stark für Medizin und Notfallmedizin und würde gerne Medizin studieren.
Wie der Unterricht genau aussehen soll, lässt die Petition offen. Ob Lehrer, das Rote Kreuz, der Samariterverein oder jemand anders unterrichte, müsse die Regierung ausarbeiten, sagte Zogg. Idealerweise sollte jemand aus dem Fach den Schülern die Grundlagen beibringen, zweimal im Jahr. Seine Mitschüler habe er immer wieder beiläufig gefragt, etwa wenn sie an einem Defibrillator vorbeikamen, ob man dessen Bedienung in der Schule lernen sollte. Die Antwort sei stets gewesen, das sollte man eigentlich schon. Er glaube zudem, dass ein solcher Unterricht den Schülern Spass mache, weil er Abwechslung zum regulären Unterricht biete.
Die Chancen, dass sein Anliegen umgesetzt wird, schätzt Zogg als realistisch ein. Das würde ihm viel bedeuten. Schon jetzt sei ihm wichtig, dass er die Aufmerksamkeit auf die Wiederbelebung lenken konnte – vielen gehe vergessen, dass man sie lernen sollte. Bei den Formalitäten unterstützte ihn der Parlamentsdienst, zudem hatte er Kontakt mit drei Landtagsabgeordneten verschiedener Parteien. Den Grossteil der Petition habe er aber selbst formuliert.
Rotes Kreuz und Ärztekammer unterstützen das Anliegen
Bei der Ausarbeitung hat Zogg das Liechtensteinische Rote Kreuz und die Liechtensteinische Ärztekammer kontaktiert. Das Rote Kreuz steht dem Anliegen positiv gegenüber und hat signalisiert, auf Anfrage aus der Politik die Sinnhaftigkeit der Petition zu bestätigen. Die Ärztekammer begrüsst die Initiative und verweist auf den Nutzen einer breiten Schulung, da diese im Einzelfall den entscheidenden Unterschied machen könne. Der Kammervorstand hofft, dass der Landtag die Petition überweist und die Regierung das Anliegen aufnimmt.
Internationale Empfehlungen als Vorbild
Die Forderung orientiert sich an der Initiative „Kids Save Lives“, die vom International Liaison Committee on Resuscitation und zahlreichen Fachgesellschaften befürwortet wird. Sie empfiehlt, Schüler ab zwölf Jahren jährlich mindestens zwei Stunden in Herz-Lungen-Wiederbelebung zu schulen. Auch der Europäische und der Deutsche Rat für Wiederbelebung setzen sich für verpflichtenden Unterricht an Schulen ein. Erfahrungen aus Dänemark, Norwegen und einzelnen deutschen Bundesländern zeigen laut der Petition, dass regelmässiger Unterricht die praktischen Fähigkeiten verbessert und die Bereitschaft zur Hilfe erhöht.
Erste-Hilfe-Kurs allein genügt nicht
Bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand sinkt die Überlebenschance mit jeder Minute ohne Wiederbelebung, gleichzeitig steigt das Risiko bleibender Hirnschäden. Der Rettungsdienst ist in den ersten entscheidenden Minuten oft noch nicht vor Ort, Betroffene sind deshalb auf Anwesende angewiesen. Viele zögern jedoch, weil sie unsicher sind oder Angst haben, Fehler zu machen.
Der Erste-Hilfe-Kurs für den Führerausweis reiche nicht aus, argumentiert Zogg. Nicht jeder mache den Führerausweis, der Kurs werde oft erst im Erwachsenenalter absolviert, und ohne Wiederholung gingen die Fähigkeiten rasch verloren. In der Schule hingegen liessen sich alle Jugendlichen erreichen – unabhängig von ihrer späteren Ausbildung oder Berufswahl.
Die Voraussetzungen im Land seien gut: Mit dem Projekt „Herzsicheres Liechtenstein“, das Land und Rotes Kreuz in den vergangenen zwei Jahren ausgebaut haben, ist mittlerweile überall innerhalb von zwei bis drei Fahrminuten ein Defibrillator erreichbar. Entscheidend sei aber, dass die Bevölkerung ihn auch bedienen könne. Als kleines Land mit kurzen Entscheidungswegen könnte Liechtenstein eine Vorreiterrolle übernehmen. Zudem würden die Jugendlichen ihr Wissen an Eltern, Geschwister und ihr Umfeld weitergeben.

