Pag und Liechtenstein aus Nachbars Sicht: Drei Welten im Domus
Ein kroatischer Fotograf mit Familienwurzeln auf der Insel Pag, ein Vorarlberger, der Liechtenstein bewusst nicht als Postkartenidylle zeigt, und eine Bildhauerin, die dem Stein Leben entlocken will: Im domus in Schaan ist am Donnerstagabend die Ausstellung „Formen, Welten und Identitäten“ eröffnet worden. Caroline Hilti, die gemeinsam mit Toni Büchel die Abteilung Geschichte und Kultur der Gemeinde leitet, sprach zur Begrüssung von der Herausforderung, gleich drei Ausstellungen auf einmal zu eröffnen.
Zwei Anfragen, ein gemeinsamer Rahmen
Entstanden ist die Schau aus zwei unabhängigen Anfragen. Das Honorarkonsulat der Republik Kroatien in Liechtenstein trat mit dem Wunsch nach einer Ausstellung an das domus heran, ebenso der Fotograf Reinold Amann. Weder Kroatien noch Amanns bisherige Arbeit hätten auf den ersten Blick einen engen Bezug zum Dorfmuseum gehabt, hiess es seitens des domus. Den gemeinsamen Nenner lieferte schliesslich die Heimat-Trilogie, mit der sich das domus seit einigen Jahren zusammen mit Partnern jeden Herbst dem Thema Heimat widmet – jedes Jahr mit einem anderen regionalen Fokus und mit Literatur, Kulinarik, Musik und Tanz. Heuer liegt der Schwerpunkt auf Südosteuropa. Die Skulpturen der in Schaan arbeitenden Bildhauerin Julia Kaiser aus der Serie „Dem Stein Leben entlocken“ verbinden die beiden fotografischen Positionen.
Liechtenstein mit anderem Blick
Reinold Amann ist in Vorarlberg kein Unbekannter. Der Fotograf hat an zahlreichen Buchprojekten mitgewirkt und seine Arbeiten unter anderem am Saumarkt in Feldkirch, im Spielboden Dornbirn und beim Feldkirch Festival gezeigt. Für das domus hat er Liechtenstein von ausserhalb betrachtet – daraus ist die Serie „Unsere Heimat aus Nachbars Sicht“ entstanden.
Liechtenstein habe in den vergangenen rund 50 Jahren einen gewaltigen Sprung gemacht, von einem der ärmsten zu einem der reichsten Länder, sagte Amann. Zunächst habe er gezweifelt, ob er mit seiner Fotografie zu Liechtenstein passe. Den Verantwortlichen habe er klargemacht, dass von ihm keine schönen Landschaftsbilder zu erwarten seien: „Ich gehe halt mit einem bisschen anderen Blick durch die Gegend.“ Das domus habe sich auf dieses Abenteuer eingelassen.
Wichtig ist Amann ein Punkt: Die Bilder sind zwar digital entstanden, doch keines sei nachträglich so bearbeitet worden, dass etwas entfernt oder hinzugefügt wurde. Alles sei so fotografiert, wie es zu sehen ist. Wer aufmerksam durch die Ausstellung gehe, entdecke über die begleitenden Texte eine zweite Ebene.
Weil in den Ausstellungsräumen nur ein Teil seiner Aufnahmen Platz findet und es ihm um die Geschichten hinter den übrigen Bildern leidgetan hätte, hat Amann zusätzlich einen Katalog von gut 80 Seiten zusammengestellt. Die ausgestellten Fotografien sind als limitierte, signierte Auflage zu je 400 Euro erhältlich; auf Wunsch können auch Motive aus dem Katalog bezogen werden. Amann dankte der Gemeinde Schaan für die Möglichkeit, in Liechtenstein auszustellen.
Pag – Stadt und Insel
Die kroatische Position stammt von Damir Fabijanić, einem der bekanntesten Fotografen seines Landes. Der 1955 in Zagreb geborene Fotograf arbeitet seit 1987 freischaffend. Nach der internationalen Anerkennung Kroatiens zeigte er im Januar 1992 in Madrid mit Aufnahmen aus Dubrovnik die erste kroatische Ausstellung im Ausland. Bekannt wurde er vor allem mit seinen Bildbänden, allen voran jenem über Dubrovnik.
Seine Serie „Pagradotok“ ist der Insel Pag gewidmet, aus der seine Familie stammt. Der Titel setzt sich aus drei Wörtern zusammen: Pag ist der Name der Insel und zugleich ihres Hauptorts, „grad“ bedeutet Stadt und „otok“ Insel. Die gleichnamige Monografie, 2022 erschienen, versammelt Aufnahmen aus rund 45 Jahren.
Fabijanić selbst war am Donnerstag nicht anwesend. Grussworte im Namen der kroatischen Botschaft in Bern überbrachte Botschaftsrätin Petra Petrić Čavužić. Sie freue sich stets, ihr Land über die Grenzen hinaus vorstellen zu können, sagte sie. Botschafterin Andrea Bekić war wegen einer anderen Verpflichtung entschuldigt.
Für die Insel warb anschliessend Honorarkonsul Ernst Walch. Die Landschaft sei karg und felsig, habe aber eine ganz eigene Ausstrahlung – mit uralten Olivenbäumen bei Lun, kahlen Felsen, Schafen, Schafkäse und sehr viel Salz. Nebenbei erinnerte Walch daran, dass das Wort Krawatte auf die Kroaten zurückgeht, deren Halstücher einst in Paris auffielen.





Kroatischer Abend am 3. November
Für den kroatischen Abend am Dienstag, 3. November, ab 18.30 Uhr ist Walch nach eigenen Angaben vor drei Wochen eigens nach Pag gereist – mit einem grösseren Auto und entsprechend grösserem Kofferraum –, um Wein, Käse und Salz einzukaufen. Musikalisch gestalten den Abend die kroatische Sopranistin Nikolina Pinko und der Musiklehrer Andreas Domjanić aus Nendeln am Keyboard. An diesem Abend werden auch Damir Fabijanić und Botschafterin Andrea Bekić im domus erwartet.
Die Ausstellung ist bis 15. November jeweils freitags von 14 bis 20 Uhr sowie samstags und sonntags von 14 bis 18 Uhr zu sehen. Am Sonntag, 1. November, um 15 Uhr führen Reinold Amann und Julia Kaiser durch die Ausstellung.

