Goldener Spaten 2026: Posthume Auszeichnung überschattet Preisverleihung
Einige Preisträger Goldener Spaten 2026 | Foto: Gregor Meier
Der bewegendste Moment der Preisverleihung kam mit dem Goldenen Spaten für den besten Dokumentarfilm. Ausgezeichnet wurde Josef Pettinger für seinen Film „Fasziniert von Radios“ – doch der Filmemacher aus Deutschland erlebte die Ehrung nicht mehr. Er ist am 17. August nach schwerer Krankheit verstorben. Seine Frau nahm den Preis am Samstagabend im Küefer-Martis-Huus in Ruggell entgegen.
Wie an der Preisverleihung erzählt wurde, hatte Pettinger nach der Diagnose sämtliche Termine abgesagt. Der einzige, den er noch wahrnehmen wollte, war das Festival in Ruggell. Angemeldet hatte er seine Filme noch selbst. Sein prämierter Beitrag ist eine Zeitreise zu den Anfängen des Radios, erzählt anhand eines Sammlers und mit Humor angereichert. Wer seine Filme sehe, spüre, dass hier jemand aus Leidenschaft filme, hiess es in der Würdigung. Die Jury sei sich in ihrem Entscheid ziemlich einig gewesen.
35 Filme in zwei Tagen
Der Film- und Videoclub Liechtenstein (FVCL) hatte zum 30. Videograndprix Liechtenstein geladen. Am Freitag und Samstag wurden in acht Filmblöcken 35 nominierte Kurzfilme aus dem nichtkommerziellen Filmschaffen gezeigt: 22 Dokumentarfilme, acht Spielfilme und fünf Beiträge in der freien Kategorie. Die Autoren stammen aus Liechtenstein, der Schweiz, Österreich und Deutschland; viele stellten ihre Werke im Anschluss an die Vorführung persönlich vor.
Der Moderator der Preisverleihung relativierte den Wettbewerbsgedanken gleich zu Beginn: „Diese Preise sind nicht das Entscheidende.“ Wichtig sei, dass die Filme gezeigt werden könnten. Hinter jedem stünden Stunden an Arbeit, Recherche und Leidenschaft. Mit einer anders besetzten Jury sähe die Rangliste vielleicht ganz anders aus.
Gondo, Hawaii und die Donau
Silber in der Kategorie Dokumentarfilm ging an Gerhard Amm aus Deutschland für „Hawaii – Das verlorene Paradies“. Der Film führt mit schönen Bildern durch die verschiedenen Inseln Hawaiis und blickt kurz auf die Ereignisse von Pearl Harbor zurück. Die Jury lobte den informativen Kommentar und die angenehmen Sprecher. Amm war in Ruggell nicht anwesend.
Den Bronzenen Spaten erhielt der Walliser Hermann Tscherrig für „Goldrausch in Gondo“. Er verbindet eine historische Recherche über die Goldgewinnung in Gondo mit Erinnerungen an seine eigene Kindheit.
Den freien Jurypreis, einen Goldenen Spaten, vergab das Gremium an Michael Komuczki aus Österreich. Sein Film „Der Donauraum – unsere Fischbestände verschwinden lautlos“ greift die zurückgehenden Fischbestände in der Donau auf und wurde als Anliegen des Naturschutzes gewürdigt. Auch Komuczki konnte den Preis nicht persönlich entgegennehmen.
Ein zweiter Spezialpreis der Jury, ebenfalls ein Goldener Spaten, ging für die beste Kamera an Frank Lauter aus Deutschland. Die Jury hob in seinem Dokumentarfilm „Herr der Ringe“ die Aufnahmen hervor, die zeigen, wie Käuze gefüttert werden – der grosse Aufwand für die Kameraführung habe sich gelohnt.
Liechtensteiner Erfolg bei den Spielfilmen
Bei den Spielfilmen wurden drei der acht Beiträge ausgezeichnet. Den Goldenen Spaten erhielt Andreas Klüpfel aus Deutschland für „Iodocus“. In seinem Film versucht der titelgebende Iodocus, die Welt zu unterwerfen – was den Protagonisten mit Tee, Keksen und Überzeugungskraft zu verhindern gelingt. Die Jury sprach von einer „höllischen Idee“. Da der Autor nicht anwesend war, wurde der Preis stellvertretend entgegengenommen.
Silber ging an „4 Robots Only“ von HansU Gubler und Paul Kühne aus der Schweiz, eine Geschichte über humanoide Roboter, die zu viel lernen und dabei an ihre Grenzen stossen. Den Preis nahmen Darsteller des Films entgegen.
Mit dem Bronzenen Spaten ausgezeichnet wurde der Liechtensteiner Michael Baumeler für „Freunde lügen nicht“. Die Jury würdigte die Leistung der jungen Schauspieler, die eine glaubhafte und wichtige Botschaft vermittelten.
Mani Matter im Strandbad
In der freien Kategorie, in der nur fünf Filme antraten, wurde lediglich ein Goldener Spaten vergeben. Er ging an den Schweizer Urs Dreier für „Dialog im Strandbad“, eine kurze, pointierte Umsetzung des gleichnamigen Liedes von Mani Matter. Für das Publikum aus Österreich und Deutschland erklärte der Moderator, wer der Berner Liedermacher war: Mani Matter lebte von 1936 bis 1972, kam mit 36 Jahren bei einem Verkehrsunfall ums Leben und ist in der Schweiz bis heute vor allem für seine Lieder bekannt, die Generationen von Kindern auswendig kennen.
Diplome und UNICA-Medaillen
Leer ging keiner der nominierten Filme aus: Alle Beiträge ohne Spaten erhielten ein Diplom. Aus Liechtenstein waren dies Ueli Bietenhader mit dem Spielfilm „De Chräächeli“ und dem Dokumentarfilm „Adam der Fünfte“ sowie Ador Hänisch mit dem Dokumentarfilm „Ein Carigiet in Berneck“.
Zusätzlich vergab das Komitee zwei Medaillen der UNICA, des Weltverbands des nichtkommerziellen Films. Sie gingen an Josef Pettinger und an den Liechtensteiner Gerd Meier.
Ausser Konkurrenz zeigte das Festival am Samstagabend den Dokumentarfilm „Nichts zu beschönigen“ des Österreichers Wolfgang Schwaiger.



