Brücke nach Japan: Jubiläum der diplomatischen Beziehungen mit Liechtenstein

Donat Marxer, Julia von Siebenthal und Tsuyoshi Kawahara

Ein Fisch merkt nicht, dass er im Wasser schwimmt. Mit diesem Bild eröffnete Julia von Siebenthal am Freitagabend im Vaduzer Rathaussaal ihren Vortrag über Japan. Genauso nehme der Mensch kaum wahr, welche Kultur ihn umgebe, erklärte die Referentin. Wer Menschen aus einem anderen Kulturkreis durch den eigenen Filter wahrnehme, laufe Gefahr, aneinander vorbeizureden.

Unter dem Titel „Brücke nach Japan“ hatte die Japanische Botschaft zum Vortragsabend eingeladen. Anlass ist das 30-jährige Jubiläum der diplomatischen Beziehungen zwischen Japan und Liechtenstein. Dieses solle nicht nur zurückblickend gefeiert werden, sagte Tsuyoshi Kawahara, Direktor des Japani Infromation and Cultural Centers in seiner Begrüssung. Neben den politischen und wirtschaftlichen Beziehungen seien die persönlichen Kontakte und das gegenseitige Verständnis der Kulturen ebenso wichtig. Genau dort setze der Abend an.

Vom Land nach Tokio

Von Siebenthal lebte ab 2017 insgesamt vier Jahre in Japan. Ihr erster Aufenthalt erfolgte im Rahmen des Japan Exchange and Teaching Programme (JET), für dessen Rekrutierung die Botschaft zuständig ist. Als Assistenz-Englischlehrerin unterrichtete sie ein Jahr lang in Myoko in der Präfektur Niigata, einem ländlichen Ort in der Nähe von Nagano, wo im Winter zwei Meter Schnee lagen. Danach zog sie nach Nagano City und unterrichtete dort an Privatschulen.

2019 wechselte sie nach Tokio, um an der Waseda-Universität einen Master in Internationalen Kultur- und Kommunikationswissenschaften zu absolvieren. In ihrer Masterarbeit untersuchte sie Kommunikationsprobleme, die bei Geschäftsverhandlungen aufgrund kultureller Unterschiede entstehen. 2021 kehrte sie in die Schweiz zurück. Heute arbeitet sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten. Im vergangenen Jahr heiratete sie in Yokohama ihren japanischen Mann, mit dem sie heute in der Schweiz lebt.

Direkt oder indirekt

Den Kern ihres Vortrags bildeten die kulturellen Unterschiede, allen voran die Kommunikation. Da es kaum wissenschaftliche Literatur über Liechtenstein gebe, stütze sie sich vor allem auf Erkenntnisse über die Schweiz, räumte von Siebenthal ein. Sie gehe davon aus, dass sich die beiden Länder kulturell sehr nahestehen. Zudem betonte sie, dass jeder Mensch anders sei und nicht blind von der Kultur seines Landes geleitet werde. Klare kulturelle Tendenzen liessen sich aber dennoch feststellen.

Anhand einer Skala von direkter bis indirekter Kommunikation erläuterte sie den Unterschied: In direkten Kulturen werde vieles ausdrücklich gesagt, auch eine Ablehnung. In indirekten Kulturen sei man stark auf den Kontext angewiesen, vieles werde nur angedeutet, und ein Nein werde lieber umschrieben.

Das Publikum durfte selbst raten, wo die Schweiz, Liechtenstein und Japan auf dieser Skala liegen. Die Einschätzungen lagen nahe an der Forschung: Die Schweiz und Liechtenstein tendieren zur direkten Kommunikation, Japan liegt am äussersten Ende der indirekten. Selbst zwischen der Schweiz und Deutschland, die beide eher direkt kommunizieren, spüre man Unterschiede, sagte von Siebenthal. Umso grösser sei die Kluft zu Japan.

Neben den Kommunikationsstilen ging die Referentin auf Themen ein, die die Japaner derzeit beschäftigen, etwa die alternde Gesellschaft und den boomenden Tourismus. Zudem gab sie Tipps, wie man sich in Japan respektvoll verhält, vom Restaurant bis zum Onsen, dem Thermalbad.

Weitere Anlässe im November

Zum Jubiläum sind in Liechtenstein zwei weitere Veranstaltungen geplant. Am Freitag, 13. November, ist ab 18 Uhr im Liechtensteinischen Landesmuseum in Vaduz eine Rakugo-Vorführung zu sehen. Rakugo ist eine japanische Form des Sitztheaters, bei der eine einzelne Person sitzend humoristische Geschichten vorträgt. Am Samstag, 14. November, zeigt das Skino in Schaan drei japanische Filme. Der Eintritt zu beiden Anlässen ist kostenlos.

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