Weltwirtschaft im Umbruch: Unternehmerapéro in einem 190-jährigen Betrieb

unternehmerapero

Die Gemeinde Eschen-Nendeln hat ihre Unternehmer am Mittwochabend in die Keramik Werkstatt Schaedler nach Nendeln eingeladen. Unter dem Titel „Weltwirtschaft im Umbruch – welche Optionen hat Liechtenstein?“ beleuchteten drei Referenten die aktuellen Verschiebungen im internationalen Handel aus politischer, ökonomischer und gesellschaftlicher Sicht.

Ein Gastgeber mit 190 Jahren Geschichte

Den Auftakt machte der Gastgeber selbst. Geschäftsführer Philipp Eigenmann führte die Gäste durch den Betrieb, der 1836 gegründet wurde und als erstes Industrieunternehmen des Landes gilt – mit einem Seitenhieb auf den Zeitgeist: Seine Familie befasse sich seit 190 Jahren mit KI, mit keramischer Intelligenz. Das Unternehmen steht heute im Übergang in die sechste Generation.

Gemeindevorsteher Tino Quaderer griff den Ort in seiner Begrüssung als Sinnbild auf. Der Betrieb habe drei Währungen erlebt – Gulden, Kronen und Schweizer Franken –, dazu Inflation, Börsencrash, Weltwirtschaftskrise, Ölkrise, Finanzkrise, Globalisierung und Deglobalisierung. Beständigkeit bedeute eben nicht, dass sich nichts verändere, sondern dass ein Unternehmen im Wandel nicht verliere, was es ausmache. Günter Meier, Vorsitzender der Wirtschaftskommission, verwies auf den Standort mit über 500 Unternehmen und darauf, dass Wirtschaft nicht in der Statistik stattfinde, sondern zwischen Menschen.

Verlässlichkeit als Standortfaktor

Wirtschaftsminister Hubert Büchel ordnete die Lage wirtschaftspolitisch ein. Liechtenstein könne die Weltwirtschaft als Kleinstaat nicht retten, sehr wohl aber entscheiden, wie es mit den Verwerfungen umgehe. Wirtschafts- und Sicherheitspolitik liessen sich heute kaum mehr trennen: Sicherheit bedeute auch, dass der Strom fliesse, Daten geschützt seien und Lieferketten funktionierten.

Als Stärken nannte Büchel solide Staatsfinanzen, eine hochspezialisierte Industrie, ein starkes Gewerbe und einen international ausgerichteten Finanzplatz. Entscheidend sei jedoch die Verlässlichkeit – stabile Regeln, funktionierende Institutionen und kurze Entscheidungswege. Der Staat solle den Unternehmen das unternehmerische Risiko nicht abnehmen, wohl aber die Rahmenbedingungen schaffen, unter denen investiert werden könne. Zentral seien dabei eine sichere Energieversorgung, die Verfügbarkeit von Fachkräften sowie die enge Partnerschaft mit der Schweiz und der Zugang zum europäischen Binnenmarkt. Rückzug sei für ein exportorientiertes Kleinstland der falsche Weg.

Handel im Wandel

Roger Wohlwend, Chefökonom der Liechtensteinischen Landesbank, zeichnete unter dem Titel „Handel im Wandel“ nach, wie sich der Welthandel seit dem Höhepunkt der Globalisierung um 2008 verändert hat. Die Pandemie habe gezeigt, wie verletzlich Lieferketten seien; Versorgungssicherheit und nationale Sicherheit prägten seither die Handelspolitik. Neu seien die protektionistischen Ideen nicht – neu sei, wie eng die Volkswirtschaften heute miteinander verflochten seien. Besonderes Gewicht legte Wohlwend auf den Aufstieg Chinas, das längst nicht mehr nur günstige Güter, sondern zunehmend hochwertige Industrieprodukte liefere und Schlüsselbranchen gezielt subventioniere.

Den Abschluss des Informationsteils bestritt Gerald Hosp, Geschäftsführer der Stiftung Zukunft.li. Danach nutzten die Unternehmer die Gelegenheit zum Netzwerken bei Apéro und Betriebsbesichtigung.

hitze.li