Nach Cortina will das Bobteam nachlegen
Die Olympischen Spiele sind Geschichte, der Blick des Liechtensteiner Bobteams geht nach vorne. Beim Saisonopening an der LIHGA zeigte sich ein Team im Umbruch, das nach einem starken Sommer an den Olympiawinter anknüpfen will.
Das Publikum am Stand des Bobverbands Liechtenstein traut dem Nationalteam einiges zu. Beim Gewinnspiel der Messe tippten die meisten Teilnehmer, das Team um Pilot Martin Kranz habe in Cortina die Ränge 10 und 11 belegt. Tatsächlich waren es Rang 20 im Zweier- und Rang 21 im Viererbob. Kranz nahm die Schätzungen am Dienstagabend in Halle 4 mit Humor. Er hoffe, dass dahinter tatsächlich eine gestiegene Erwartungshaltung stecke.
Der Lohn für jahrelange Arbeit
Für Kranz und seine Anschieber waren die Spiele in Italien die ersten Olympischen Spiele überhaupt. Die Emotionen seien gross gewesen, im Rückblick bleibe ein sehr schönes Erlebnis, sagte der 23-jährige Pilot. Die Qualifikation sei der Lohn für die Arbeit der vergangenen sechs, sieben Jahre gewesen, nachdem das Team die Spiele in Peking noch verpasst hatte.
Ganz ohne Wehmut blickt Kranz nicht zurück. Im Viererbob hätte er gerne einen vierten Lauf bestritten, doch nach dem dritten Durchgang war Schluss: Um einen einzigen Platz verpasste das Quartett den Finaleinzug der besten 20. Das Team habe dennoch das Beste gegeben, was möglich gewesen sei, im Zweier wie im Vierer. „Darum denke ich, dass wir alle stolz sein können“, sagte Kranz.
Fünfeinhalb Sekunden entscheiden
„Ein guter Bobfahrer wird im Sommer gemacht“ – unter diesem Motto stand der Abend. Sportchef Srecko Kranz zeigte sich mit dem Sommertraining zufrieden. Fünfmal pro Woche trainieren die Athleten Kraft, Kondition, Schnellkraft und Sprint. Besonders viel Zeit fliesst ins Anschubtraining. Innerhalb von fünfeinhalb Sekunden müssen alle vier Athleten im Schlitten sitzen, erklärte der Sportchef. Das erfordere Abstimmung, Teamwork und Kameradschaft. Selbst Profiteams aus Kanada oder den USA passierten dabei Fehler. Seine Devise ist deshalb einfach: „Üben, üben, üben.“
Dank zweier neuer Anschieber habe das Team die Startzeiten des Vorjahres halten können. Für den Sportchef ist das allerdings erst ein Anfang. Nun folgen noch Sprinttraining und das Einspielen im Zweier- und Viererbob. Die Frage, ob das Team bereit sei, beantwortete er dennoch klar: „Ja, sie sind bereit.“ So motiviert habe er die Athleten im Training noch nie erlebt.
Von Altenberg bis Lillehammer
Der Weg in den Winter führt zunächst nach Oberhof, wo im September und Oktober an zwei Wochenenden der Anschub auf Eis geübt wird. Danach folgen Bahntrainings in Altenberg und am Königssee. Ende November startet in Altenberg der Weltcup. Anfang Dezember stehen zwei Rennen in Innsbruck auf dem Programm, danach geht es nach Cortina, an den Königssee und nach St. Moritz. Erst dann fällt der Entscheid über das mögliche Saisonhighlight: die Weltmeisterschaft im Februar in Lillehammer. Voraussetzung sei, dass die Mannschaft fit und gesund sei und die Leistungen stimmten, betonte der Sportchef.
Ein Team im Umbruch
Das Kader ist grösser als in den Vorjahren, und das hat Gründe. Einige Athleten müssen beruflich oder familiär kürzertreten. Zu ihnen gehört Lorenz Lenherr, der dienstälteste Anschieber im Team. Er arbeitet als Sportlehrer und wird sein Engagement in seiner siebten Saison reduzieren. In den Ferien und an freien Tagen will er das Team aber weiterhin unterstützen. Sein Highlight bleibt St. Moritz, für das Team ein heimliches Heimrennen, bei dem Sponsoren und Familien an der Bahn stehen.
Neu im Team sind Jannis Hammermann und Mertgün Yilmaz, zurück ist Martin Bertschler. Pilot Kranz will die beiden Neulinge so rasch wie möglich an die Routine im Weltcup heranführen. Ein konkretes Ranglistenziel hat sich das Team nicht gesetzt. Man wolle an die Vorsaison anknüpfen, sagte Kranz, und sich persönlich weiter verbessern. Hammermann bezeichnete den Einstieg als seine grösste Herausforderung. Sein Ziel sei, dass das Team an die Leistungen des Vorjahres anschliesse und nicht schlechter werde.
Neben Kranz, Lenherr, Hammermann, Yilmaz und Bertschler gehören Mauro Bühler und David Tschofen zum Team.

