Krankenkassenprämien steigen 2027 um 2.3 Prozent

Regierungsrat Emanuel Schädler

Nach dem kräftigen Aufschlag im vergangenen Jahr fällt die Prämienrunde diesmal glimpflicher aus: Die mittlere Prämie in der obligatorischen Krankenpflegeversicherung steigt 2027 um 2,3 Prozent. Für 2026 hatten die Krankenkassen noch 5,1 Prozent mehr verlangt. Erwachsene Versicherte zahlen im Mittel künftig 394,51 Franken im Monat und damit knapp 9 Franken mehr als heute – aufs Jahr gerechnet rund 105 Franken.

In einer Medienkonferenz präsentierte Gesundheitsminister Emanuel Schädler heute die Details und Hintergründe der jährlichen Prämienerhöhungen. Wer bei der gesetzlichen Franchise bleibt und die Unfalldeckung eingeschlossen hat, muss mit 438,45 Franken pro Monat rechnen, gut 11 Franken mehr als bisher. Wie stark die eigene Prämie tatsächlich steigt, hängt von Kasse und Franchise ab.

Während Concordia und SWICA ihre Prämien je nach Franchise um 1,6 bis 3,1 Prozent anheben, verlangt die FKB von ihren erwachsenen Versicherten 20 Franken mehr pro Monat. Je nach Franchise entspricht das einem Aufschlag von 5 bis knapp 7 Prozent.

Schädler nutzte die Medienkonferenz für seinen jährlichen Appell an alle Beteiligten. „Mein alljährlicher Appell geht in die Richtung, dass eine nachhaltige Gesundheitsversorgung nur gemeinsam gestaltet werden kann“, sagte er. Die Politik müsse die Kosten möglichst stabilisieren und Versorgung und Qualität sichern. Gefordert seien aber ebenso die Leistungserbringer, die kostenbewusst handeln sollten, die Krankenkassen und die Versicherten, die Gesundheitsleistungen verantwortungsvoll in Anspruch nehmen müssten.

«Es ist Aufgabe der Politik die Kosten zu stabilisieren»

Regierungsrat Emanuel Schädler

FKB bleibt günstig, der Vorsprung schrumpft

Mit gesetzlicher Franchise und Unfalldeckung zahlen Erwachsene bei der FKB künftig 412 Franken im Monat, bei der SWICA 424,60 Franken und bei der Concordia 447,60 Franken. Die FKB bleibt damit in dieser Kategorie die günstigste Kasse, der Unterschied zur Concordia beträgt gut 35 Franken im Monat oder über 420 Franken im Jahr. Ohne Unfalldeckung ist die SWICA mit 397,10 Franken neu knapp günstiger als die FKB mit 398 Franken. Im Vorjahr lag die FKB hier noch fast 12 Franken tiefer.

Wer eine höhere Franchise wählt, spart weiterhin deutlich. Bei der höchsten Kostenbeteiligung von 4000 Franken fester Betrag sinkt die Monatsprämie mit Unfalldeckung auf 262 Franken bei der SWICA, 268 Franken bei der FKB und 296 Franken bei der Concordia. Die durchschnittliche Prämie mit gesetzlicher Kostenbeteiligung und Unfalldeckung liegt über alle Kassen bei 438,45 Franken, gut 11 Franken mehr als heute.

Kinder bis zum vollendeten 16. Lebensjahr bleiben von Prämie und Kostenbeteiligung befreit. Jugendliche bis 20 Jahre bezahlen die halbe Erwachsenenprämie: mit Unfalldeckung 206 Franken bei der FKB, 212,30 Franken bei der SWICA und 223,80 Franken bei der Concordia. Versicherte im Rentenalter zahlen dieselben Prämien wie die übrigen Erwachsenen, profitieren aber von einer tieferen Kostenbeteiligung.

Arbeitgeber zahlen 184 Franken

Auch die Arbeitgeber werden stärker zur Kasse gebeten. Ihr Beitrag an die Krankenkassenprämie steigt für Erwachsene auf 184 Franken pro Monat, 3,50 Franken mehr als heute. Für Jugendliche zahlen die Arbeitgeber die Hälfte, also 92 Franken. Bei Teilzeitangestellten wird der Beitrag im Verhältnis zum Pensum gekürzt.

Neuer Arzttarif erschwert die Prognosen

Entwarnung bedeutet der tiefere Anstieg nicht. Die Gesundheitskosten bewegen sich weiterhin auf hohem Niveau, und die Krankenkassen rechnen auch 2027 mit höheren Ausgaben. Wie sich die Kosten tatsächlich entwickeln, ist derzeit allerdings schwerer abzuschätzen als in früheren Jahren. Grund ist der neue ambulante Arzttarif TARDOC samt ambulanten Pauschalen: Mit dem Systemwechsel lassen sich die aktuellen Zahlen kaum mit jenen der Vorjahre vergleichen, zudem stehen noch Abrechnungen aus. Die Prämien für 2027 beruhen deshalb auf Prognosen, die nach Angaben der Regierung mit grösseren Unsicherheiten behaftet sind als üblich.

Als Puffer dienen die Reserven der Kassen. Diese seien weiterhin ausreichend, um allfällige Abweichungen bei der Kostenentwicklung aufzufangen, heisst es seitens des Ministeriums für Gesellschaft und Justiz.

Reform kommt im Dezember in den Landtag

Die Regierung hat eine Reform des Gesundheitswesens in drei Paketen angestossen. Das sogenannte Zukunftspaket soll das System strukturell modernisieren, insbesondere mit EFAS, der einheitlichen Finanzierung ambulanter und stationärer Leistungen. Für die Prämien unmittelbar relevant ist das zweite Kostendämpfungspaket mit Massnahmen, die direkt auf die Kosten wirken sollen. Ein drittes Paket mit dem Titel „Versorgung 2030“ ist noch in Ausarbeitung. Es soll neue Versorgungsmodelle prüfen und statistische Grundlagen schaffen.

Die Vernehmlassung zu den ersten beiden Paketen ist am 17. August abgelaufen. Die Rückmeldungen seien überwiegend positiv ausgefallen, sagte Schädler. Kritik gab es unter anderem an der vorgesehenen Ausnahme der Naturheilpraktiker aus der OKP, an der Straffung des Wirtschaftlichkeitsverfahrens und an der Abschaffung der Kostenbefreiung für chronisch Kranke. Bedenken betrafen zudem die geplante Information der Patienten durch die Kassen, und zwar mit Blick auf den Datenschutz und mögliches Missbrauchspotenzial. Diese Punkte will die Regierung im Bericht und Antrag an den Landtag erwägen. Die erste Lesung ist für die Dezembersession vorgesehen, die zweite für das erste Halbjahr 2027. Zusammen mit den nötigen Verordnungsanpassungen könnte die Reform damit per 1. Januar 2028 in Kraft treten.

hitze.li