EZB erhöht Zinsen erneut – Einlagenzins steigt auf 2,5 Prozent

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Die Europäische Zentralbank (EZB) stemmt sich mit einer weiteren Zinserhöhung gegen die infolge des Iran-Krieges gestiegene Inflation. Der für Banken und Sparer wichtige Einlagenzins steigt von 2,25 auf 2,5 Prozent, wie die EZB nach ihrer Sitzung in Berlin heute mitteilte.

Ausschlaggebend für den Schritt ist die Preisentwicklung, die sich seit dem Ausbruch des Iran-Krieges wieder beschleunigt hat. Der Konflikt in einer der wichtigsten Förderregionen der Welt hat die Energiemärkte unter Druck gesetzt; höhere Öl- und Gasnotierungen schlagen mit Verzögerung auf Transport-, Produktions- und schliesslich auf Konsumentenpreise durch.

Die Währungshüter stehen damit vor einem bekannten Dilemma: Ein Preisschub, der von aussen kommt, lässt sich mit Zinspolitik nicht direkt bekämpfen. Die EZB will mit der Erhöhung vor allem verhindern, dass sich die höheren Energiepreise in Löhnen und langfristigen Inflationserwartungen festsetzen – die eigentliche Gefahr aus Sicht der Notenbank.

Was der Einlagenzins bewirkt

Der Einlagenzins ist jener Satz, zu dem Geschäftsbanken überschüssiges Geld bei der Notenbank parken können. Er gilt als der wichtigste Steuerungssatz der EZB, weil er die Untergrenze für die Zinsen am Geldmarkt bildet.

Steigt er, wird es für Banken attraktiver, Mittel bei der Notenbank zu halten, statt sie als Kredite auszureichen. Kredite für Unternehmen und Haushalte verteuern sich, Investitionen und Konsum werden gebremst – und damit, so das Kalkül, auch der Preisauftrieb. Für Sparer bedeutet der Schritt umgekehrt, dass die Verzinsung von Einlagen mittelfristig steigen dürfte, wobei die Banken Zinserhöhungen erfahrungsgemäss langsamer weitergeben als Zinssenkungen.

Folgen für Liechtenstein und die Schweiz

Liechtenstein gehört dem Euroraum nicht an und ist über die Währungsunion mit der Schweiz an den Franken gebunden. Direkt gilt der EZB-Entscheid hierzulande deshalb nicht. Spürbar ist er trotzdem: Ein steigender Zinsabstand zwischen Euroraum und Franken-Raum beeinflusst den Wechselkurs und damit die Wettbewerbsfähigkeit der exportorientierten Industrie. Zudem orientieren sich Kapitalmarkt- und Hypothekarzinsen in der Region stark an der internationalen Zinsentwicklung.

Offener Ausblick

Wie es weitergeht, liess die Notenbank offen. Der weitere Kurs hängt massgeblich davon ab, wie lange die kriegsbedingten Energiepreisaufschläge anhalten und ob sich die Teuerung wieder in Richtung des Zielwerts von zwei Prozent bewegt. Sollte der Konflikt andauern, gilt eine weitere Straffung als wahrscheinlich – bei einer Entspannung an den Rohstoffmärkten dürfte die EZB dagegen rasch zu einer abwartenden Haltung zurückkehren.

hitze.li