„Ein kleiner, vertraulicher Kreis“ – Erbprinz Alois beim Gipfel der deutschsprachigen Staatsoberhäupter
S.D. Erbprinz Alois von und zu Liechtenstein beim Treffen der Staatsoberhäupter der deutschsprachigen Ländern am Bergisel
Wanderschuhe statt Konferenzsaal: Am Dienstagnachmittag liessen sich sechs Staatsoberhäupter auf dem Stubaier Gletscher zeigen, wie schnell das Eis im Alpenraum verschwindet. Erbprinz Alois von und zu Liechtenstein, nimmt gemeinsam mit Erbprinzessin Sophie am Treffen der deutschsprachigen Staatsoberhäupter in Tirol teil. Noch bis Mittwoch dauert der Austausch, der in Alpbach fortgesetzt wird.
Gastgeber des diesjährigen Treffens, das unter dem Motto „Zusammenhalt in Europa“ steht, sind der österreichische Bundespräsident Alexander Van der Bellen und seine Gattin Doris Schmidauer. Neben Erbprinz Alois und Erbprinzessin Sophie nehmen König Philippe und Königin Mathilde von Belgien, der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier mit Gattin Elke Büdenbender, Grossherzog Guillaume und Grossherzogin Stéphanie von Luxemburg sowie der Schweizer Bundespräsident Guy Parmelin mit Gattin Caroline Parmelin teil.
Das zweitägige Programm begann am Dienstag in Innsbruck mit einem offiziellen Empfang und einem Arbeitsmittagessen auf dem Bergisel, bei dem die Staatsoberhäupter aktuelle innen- und aussenpolitische Entwicklungen erörterten. Am Mittwoch folgt eine Arbeitssitzung im Tiroler Alpbach, wo die Delegationen auch mit Stipendiaten des Europäischen Forums Alpbach zusammentreffen.
Für den Erbprinzen liegt der Wert des Formats gerade in seiner Vertraulichkeit. „Es ist sehr wertvoll, man ist da in einem kleinen, vertraulichen Kreis von sechs Staatsoberhäuptern, wo man offen Informationen teilen kann“, sagte er nach dem ersten Programmpunkt. Das sei am Dienstag von mehreren Teilnehmern betont worden – nicht zuletzt vom deutschen Bundespräsidenten, der aufgrund seiner auslaufenden Amtszeit womöglich zum letzten Mal dabei sei.
Weil nichts aus dem Kreis an die Medien gelange, entstehe ein Mehrwert, der über den protokollarischen Rahmen hinausgehe: „Das ermöglicht einem doch eine zusätzliche Lageeinschätzung internationaler Situationen“, so der Erbprinz – auch mit Blick auf kritische Entwicklungen in Nachbarstaaten.
Inhaltlich reichte der Bogen des Austauschs von der Sicherheitspolitik über die Herausforderungen der künstlichen Intelligenz bis zu Fragen der Rechtsstaatlichkeit in Europa. Auch der Zusammenhalt des Kontinents sei Thema gewesen, ebenso die Sorge vor auseinanderdriftenden Entwicklungen. Ihm persönlich sei wichtig, dass der europäische „Way of Life“ erhalten bleibe, betonte der Erbprinz.
Liechtensteins Perspektive als EWR-Staat
Was ein Kleinstaat in einer solchen Runde bewirken könne, sei eine Frage, die immer wieder gestellt werde. Liechtenstein liege „im Herzen Europas“, sagte der Erbprinz – und bringe eine Sichtweise ein, die in dieser Runde sonst niemand habe: „Man hat aus der Perspektive eines Nicht-EU-Mitglieds, aber gleichzeitig EWR-Mitglieds eine besondere Perspektive, die man einbringen kann, und das wird sehr geschätzt.“
Gerade die unterschiedlichen Integrationsstufen der beteiligten Länder machten den Austausch interessant: die EU-Mitgliedstaaten auf der einen Seite, die Schweiz mit ihrem bilateralen Weg und Liechtenstein mit dem EWR auf der anderen.
Dass die Aussenpolitik neben der derzeit themenreichen Innenpolitik nicht ins Hintertreffen geraten dürfe, unterstrich der Erbprinz mit Verweis auf die Verflechtung beider Bereiche. Die Zollthematik der vergangenen Jahre, die Migration oder der gemeinsame Schutz der Schengen-Aussengrenzen zeigten dies deutlich: „Das sind aussenpolitische Fragestellungen, die direkt Auswirkungen auf die Innenpolitik haben.“
Klimaforschung auf dem Stubaier Gletscher
Ein weiterer Schwerpunkt des Treffens war der Klimawandel und dessen Auswirkungen auf den Alpenraum. Die Staatsoberhäupter und ihre Partnerinnen besuchten dazu am Dienstagnachmittag den Stubaier Gletscher, wo führende Wissenschaftler aus Österreich, der Schweiz, Deutschland und Belgien Einblicke in die aktuelle Gletscher- und Klimaforschung gaben.
Das Klima sei bei den vergangenen Treffen der Staatsoberhäupter regelmässig Thema gewesen, zuletzt angesichts anderer Herausforderungen politisch aber etwas in den Hintergrund gerückt, sagte der Erbprinz. In diesem Jahr sei es besonders aktuell. Auf die Besichtigung freue er sich – die Aussichten stimmten ihn allerdings nachdenklich: „Beängstigend ist, dass wir wahrscheinlich in einigen Jahrzehnten so gut wie gar keine Gletscher mehr haben werden im Alpenraum.“ Auf die damit verbundenen Folgen – vom auftauenden Permafrost bis zur veränderten Wasserführung – gelte es sich vorzubereiten.


