Der FCV trifft wie ein Spitzenteam – und kassiert wie ein Absteiger
Achtzehn Jahre. So lange liegt der letzte Vaduzer Sieg gegen den FC Luzern zurück, September 2008. An diesem Mittwochabend vor 8605 Zuschauern in der Swissporarena sah es lange danach aus, als würde die Serie zumindest ein Ende in Form eines Punktes finden. Dann drückte Nando Toggenburger in der 91. Minute den Ball aus dem Gewühl über die Linie – Millimeter nur, aber genug. 2:1 für Luzern, und der FC Vaduz reist mit leeren Händen und der immer gleichen Diagnose nach Hause.
Vaduz kam kaum in die Zweikämpfe, verlor die Bälle in den falschen Zonen und überliess Luzern das Spiel. Dass es nach 45 Minuten 0:0 stand, lag an Leon Schaffran – der gegen Faveurdi Bongeli nach sechs Minuten rettete – und an der Luzerner Abschlussschwäche. Die einzige nennenswerte Vaduzer Aktion war ein Schlenzer von Juan Cabrera nach Zuspiel von Milos Cocic und Lutfi Dalipi, den Karlo Letica entschärfte.
Nach dem Seitenwechsel brauchte der FCV exakt 26 Sekunden, um alles auf den Kopf zu stellen. Dalipi, mit 20 Jahren die von den Young Boys ausgeliehene Entdeckung dieser bisherigen Saison, löste die Situation auf der linken Seite im Alleingang und legte quer. Julian Stark musste nur noch den Fuss hinhalten – sein zweites Tor in der Super League. Eine schmeichelhafte Führung, das war auch in Vaduz niemandem verborgen geblieben.
Das strukturelle Problem heisst nicht Pech
Was danach folgte, war kein Unglück, sondern Muster. In der 59. Minute traf Ruben Dantas Fernandes per Schlenzer zum Ausgleich – sein erstes Tor in der höchsten Schweizer Liga. Fünf Minuten später jubelte Luzern bereits über die Führung, doch der VAR schickte den Schiedsrichter an den Bildschirm: Foul an Denis Simani, Tor zurückgenommen. Ein Aufschub, keine Rettung.
Denn die Vaduzer Anfälligkeit bei schnellen Umschaltmomenten zog sich durch den ganzen Abend. Simani, der sich schon vor der Pause nach einer provozierten Rudelbildung eine unnötige Verwarnung eingehandelt hatte, stand sinnbildlich für eine Abwehr, die in der Super League bislang keine Ruhe findet. Vorne fehlte die Durchschlagskraft: Marcel Monsberger blieb blass und wurde nach 73 Minuten ersetzt, Dalipi hing abgesehen von seiner Vorarbeit weitgehend in der Luft, Cabrera lief viel, ohne zwingend zu werden.
Der Schlusspunkt hatte dann etwas Grausames. Malik Sawadogo klärte in der ersten Minute der Nachspielzeit zweimal auf der Linie – beim ersten Mal um jene Millimeter zu spät, die der Schiedsrichter als vollständig überquerte Torlinie wertete. Toggenburger, in der 57. Minute eingewechselt, hatte wie Fernandes sein erstes Super-League-Tor erzielt. Dass Schaffran beim letzten Freistoss noch mit nach vorne rückte, änderte nichts mehr.
Die Bilanz nach sechs Runden ist zweigeteilt
Der FC Vaduz steht mit drei Punkten am Tabellenende. Das ist die eine Hälfte der Wahrheit. Die andere: Mit 13 erzielten Toren hat der Aufsteiger mehr getroffen als Basel, St. Gallen oder Thun und liegt ligaweit auf Rang drei. Wer sich das Torverhältnis von 13:16 ansieht, erkennt das Problem sofort – und es liegt nicht in der Offensive. Nur der FC Zürich hat ebenso viele Gegentore kassiert.
Für Schneider bedeutet das eine unbequeme Erkenntnis. Sein Team kann in dieser Liga Tore erzielen, und zwar regelmässig. Was fehlt, ist die Stabilität in den Phasen, in denen ein Resultat verwaltet werden muss. Gegen GC reichte die Offensivwucht, um die Defensivfehler zu übertönen. In Luzern reichte sie nicht.
Am kommenden Wochenende bietet sich die nächste Gelegenheit, die Rechnung anders aufgehen zu lassen. Die Zutaten dafür hat der FCV. Er muss sie nur einmal 95 Minuten lang zusammenhalten.
Telegramm
Luzern – Vaduz 2:1 (0:0)
8605 Zuschauer. – SR Kanagasingam. – Tore: 46. Stark (Dalipi) 0:1. 59. Fernandes 1:1. 91. Toggenburger 2:1.
Luzern: Letica; Fernandes (82. Lüthi), Bung Hua Freimann, Bung Meng Freimann, Ciganiks; Owusu (57. Wyss), Zimmermann (72. Lucas Ferreira), Bertone, Di Giusto; Mikolajewski (82. Meyer), Bongeli (57. Toggenburger).
Vaduz: Schaffran; Hasler, Simani, Berisha, Schwizer (73. Sawadogo); Mack (90. Walker); Stark, Cocic (62. Kasper), Cabrera; Monsberger (73. Djokic), Dalipi.
Verwarnungen: 3. Bung Hua Freimann, 38. Simani, 38. Ciganiks, 48. Monsberger, 49. Fernandes, 83. Bung Meng Freimann, 88. Djokic, 94. Berisha, 94. Toggenburger.

