Bahn-Chefin Palla übt scharfe Kritik an ihrem Management

Deutsche Bahn

Im Zuge des laufenden Umbaus der Deutschen Bahn hat Konzernchefin Evelyn Palla ihre eigenen Führungskräfte mit ungewöhnlich deutlichen Worten kritisiert. Mangelnde Leistungsbereitschaft im Management sei eine wesentliche Ursache für die Probleme des Staatsunternehmens, sagte die seit Oktober amtierende Chefin der Welt am Sonntag. „Die Leistungskultur der Vergangenheit war für die Performance der Bahn nicht ausreichend, das wollen wir ändern.“

Nach Pallas Darstellung wurde in der Vergangenheit Verantwortung zu oft zwischen der zentralen Konzernverwaltung und der operativen Ebene vor Ort hin- und hergeschoben – ein Zustand, den sie als „organisierte Verantwortungslosigkeit“ bezeichnete. Wiederholt verfehlte Ziele im Management hätten kaum Konsequenzen gehabt, kritisierte sie weiter. Mehr Energie sei in die Erklärung von Problemen geflossen als in deren Lösung.

Palla kündigte einen spürbaren Kulturwandel an: „Für mich zählen nur messbare Ergebnisse und keine Erklärungen.“ Allein dieser Satz in den regelmässigen Leistungsrunden mit den Führungskräften bedeute bei der Bahn bereits einen echten Kulturwandel, so die Konzernchefin.

Für die aktuelle Leistung des Unternehmens vergab Palla die Schulnote 3, für den Fernverkehr sogar nur eine „4 minus“. Im ersten Halbjahr 2026 erreichten lediglich 59 Prozent der Fernverkehrszüge ihr Ziel ohne grössere Verspätung – ein Wert, der die Dringlichkeit des von ihr ausgerufenen Umbaus unterstreicht.

Radikaler Umbau seit Jahresbeginn

Palla hatte bereits zum 1. Januar 2026 eine neue Konzernstruktur mit weniger Abteilungen, weniger Einheiten und weniger Führungskräften eingeführt. Die erste Führungsebene wurde von zuvor 43 auf künftig 22 Organisationseinheiten verkleinert, die Zahl der Führungspositionen entsprechend reduziert. Ziel ist eine schlankere, schnellere und kundenorientiertere Bahn, bei der Entscheidungen näher am operativen Geschäft und damit näher an Kunden getroffen werden. Palla selbst hatte das laufende Jahr bereits zuvor als „Jahr des grossen Umbaus“ bezeichnet.

140 Millionen Euro für Sofortprogramme

Parallel zum organisatorischen Umbau hat die Bahn mehrere Sofortprogramme mit einem Gesamtvolumen von rund 140 Millionen Euro gestartet, die Kunden möglichst rasch spürbare Verbesserungen bringen sollen. Im Fokus stehen mehr Komfort im Fernverkehr, eine bessere Kommunikation mit den Kunden sowie mehr Sicherheit und Sauberkeit an den Bahnhöfen.

hitze.li