LFV zu den FIFA-Plänen: „Die Fussball-WM steht nicht zum Verkauf“
Der Liechtensteiner Fussballverband (LFV) hat die Medienberichte über mögliche Pläne der FIFA, Eigentumsanteile an der Weltmeisterschaft und weiteren FIFA-Wettbewerben an private Investoren zu übertragen, mit grosser Skepsis zur Kenntnis genommen. Nach einem Austausch aller UEFA-Mitgliedsverbände am Donnerstagnachmittag wurde diese Skepsis auch von den übrigen europäischen Nationalverbänden bestätigt.
Für den LFV wie für alle anderen UEFA-Verbände ist die Sache klar: Die Weltmeisterschaft und andere zentrale Wettbewerbe dürfen nicht als Investitionsprodukte behandelt werden. Sie gehören zum sportlichen Erbe des Fussballs und wurden über Generationen hinweg von Spielern, Nationalmannschaften, Verbänden und Fans auf der ganzen Welt geprägt. Kein Teil davon, so der Verband, sollte privaten Investoren überlassen werden.
Eine Beteiligung privater Investoren würde den Fussball nachhaltig verändern. Gerade deshalb sei nicht nachvollziehbar, dass ein Vorhaben dieser Tragweite ohne transparente Diskussion und ohne frühzeitige Einbindung der Mitgliedsverbände überhaupt in Erwägung gezogen wurde. Zudem berge eine solche Entwicklung die Gefahr, dass Entscheidungen über Wettbewerbe, Formate und Spielkalender künftig stärker von Renditeerwartungen als von den Interessen des Sports geprägt würden.
Der Fussball müsse auf seinen Grundwerten aufbauen und den Menschen dienen, die ihn tragen, hält der LFV fest. Kurz gesagt: „Die Fussball-WM steht nicht zum Verkauf.“
Worum es geht
Die FIFA hatte ihre Pläne am Dienstag überraschend publik gemacht. Der Weltverband will einen Teil der kommerziellen Rechte an seinen Turnieren – darunter die Männer- und Frauen-WM sowie die Klub-WM – in eine eigene Gesellschaft überführen und Anteile daran an Investoren abgeben. Medienberichten zufolge geht es um 20 bis 30 Prozent und um einen Erlös in Milliardenhöhe; an der Konstruktion soll die Bank JPMorgan mitarbeiten. Als Frist für die Zustimmung der Mitgliedsverbände wird der 19. September genannt.
FIFA-Präsident Gianni Infantino verteidigte das Vorhaben als einmalige Chance, die weltweite Entwicklung des Fussballs zu beschleunigen. Den 211 Mitgliedsverbänden stellte er deutlich höhere Zuwendungen in Aussicht.
UEFA droht mit WM-Boykott
Die 55 UEFA-Mitgliedsverbände lehnten die Pläne nach einer Online-Dringlichkeitskonferenz am Donnerstag einstimmig ab – und gingen dabei weiter als der LFV in seinem eigenen Statement. Keine europäische Nationalmannschaft werde an einem FIFA-Wettbewerb teilnehmen, solange die Vorschläge bestehen blieben, heisst es in der gemeinsamen Erklärung. Verlangt werden ein vollständiger Rückzug des Vorschlags und verbindliche Zusicherungen, dass die FIFA ihre Führungsstrukturen und Wettbewerbe nie wieder für private Eigentümer öffnet.
Kurz darauf lehnte auch der nord- und mittelamerikanische Kontinentalverband Concacaf mit seinen 41 Mitgliedern die Pläne geschlossen ab. Damit stellen sich auch die drei WM-Gastgeber USA, Mexiko und Kanada gegen Infantino. Für den FIFA-Präsidenten wird es damit schwierig, für sein Vorhaben überhaupt eine Mehrheit zu finden.

