Streik in Griechenlands Tourismusbranche mitten in der Hauptsaison
Am heutigen Mittwoch legen Tausende Beschäftigte in Griechenlands Tourismus- und Gastronomiebranche die Arbeit nieder. Der 24-Stunden-Streik trifft das Land in der Hochsaison und beleuchtet ein strukturelles Problem: Der Tourismus boomt – die Arbeitsbedingungen aber nicht.
Der Panhellenische Verband der Gastronomie- und Tourismusarbeiter POEET hat den Streik für Mittwoch, 24. Juni 2026, ausgerufen. Betroffen sind Hotels, Restaurants, Kaffeehäuser und der Bausektor im ganzen Land. Die zentrale Kundgebung findet um 11 Uhr vor dem Arbeitsministerium in Athen statt.
Die Gewerkschaft beklagt extreme Arbeitszeiten: Zwölfstundentage gelten in der Branche als normal, die Gesetzeslage erlaubt für Angestellte mit mehreren Arbeitgebern sogar 13 Stunden täglich. Hinzu kommen Verstösse bei der digitalen Arbeitszeiterfassung und die weitverbreitete Nichteinhaltung von Kollektivverträgen. Die Forderungen der Gewerkschaft umfassen deutliche Lohnerhöhungen, die Einführung der Fünftagewoche und des Achtstundentags, die Bezahlung von Überstunden sowie einen besseren Schutz für Saisonarbeiter. Seit Jahren schaffe es die Branche nicht, genügend Personal zu finden – Anfang Juni waren landesweit 80.000 Stellen offen. Schlechte Bezahlung und harte Bedingungen treiben vor allem junge Arbeitnehmer in andere Sektoren.
Santorin als Sinnbild des Overtourism
Bereits am Montag hatten Bus- und Reiseveranstalter auf Santorin die Arbeit niedergelegt – aus anderen, aber verwandten Gründen. Im Zentrum des Konflikts steht eine Vorschrift der Hafenbehörde, die 70 Prozent der Kreuzfahrtschiffe verpflichtet, am alten Hafen unterhalb der Inselhauptstadt Fira anzulegen. Die Busbetriebe klagen, dass fehlende Zeitvorgaben für die Anlandung täglich zu Staus und chaotischen Zuständen führen – ohne ausreichende Infrastruktur. An einem einzigen Streiktag entgingen der Insel Einnahmen von schätzungsweise 425.000 Euro.
Santorin empfängt jährlich rund 3,4 Millionen Besucher – bei knapp 15.500 Einwohnern. Die Folgen sind spürbar: Wasserknappheit, Abfallberge und verstopfte Strassen. Die griechische Regierung hat die täglichen Kreuzfahrtpassagiere bereits auf 8.000 begrenzt und im vergangenen Jahr eine Landgangsgebühr von 20 Euro pro Passagier eingeführt.
Griechenland erwartet 2026 erneut einen Rekordsommer. Für die Beschäftigten in Hotels und Restaurants schlägt sich dieser Boom bislang kaum in besseren Konditionen nieder. Die Gewerkschaft wirft der Regierung vor, das vielgepriesene Wachstum der Branche auf dem Rücken der Arbeitnehmer zu betreiben.

