Geldwäsche-Verdacht erschüttert Fintech-Riesen Wise
Der Überweisungsdienst Wise steht im Zentrum eines europäischen Geldwäscheskandals. Die belgische Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den EU-Zweig des britischen Fintechs – wegen des Verdachts, dass Wise-Konten zum Waschen von Erlösen aus Betrug, Drogenhandel und Korruption genutzt worden sein sollen. Das Bureau of Investigative Journalism hatte die Untersuchung öffentlich gemacht, die bereits seit dem vergangenen Jahr läuft und sich laut Staatsanwaltschaft ihrem Ende nähert.
Konten aus über 30 Ländern im Visier
Ins Fadenkreuz gerieten die Ermittler auf einem ungewöhnlichen Weg: Strafverfolgungsbehörden aus mehr als 30 Ländern hatten bei der Brüsseler Staatsanwaltschaft Unterstützung angefragt, weil in ihren jeweiligen Verfahren immer wieder Wise-Konten auftauchten. Das Unternehmen hat seinen EU-Sitz in Brüssel und wickelt über das europäische Passportingsystem Überweisungen für den gesamten Kontinent ab – was erklärt, weshalb alle EU-weiten Anfragen in Belgien landen.
Die Staatsanwaltschaft prüft nun, ob Wise verdächtige Transaktionen im grossen Stil nicht gemeldet und damit gegen die Anti-Geldwäsche-Gesetze der EU und Belgiens verstossen hat. Um welche Summen es konkret geht, ist offiziell nicht bestätigt – Berichte sprechen von verdächtigen Transaktionen im Umfang von rund 500 Millionen Euro.
Die Reaktion an der Börse fiel drastisch aus. Die Wise-Aktie verlor am Montag in London zeitweise fast 20 Prozent – der grösste Kurssturz seit dem Börsengang des Unternehmens im Jahr 2021. Damit vernichtete der Kursrutsch innerhalb weniger Stunden Milliardenwerte. Bis Mittag erholte sich das Papier leicht, notierte aber noch immer rund 13 Prozent im Minus bei etwa 812 Pence.
Besonders bitter: Die Meldung trifft Wise nur wenige Wochen nachdem das Unternehmen seinen Hauptlisting von London nach New York verlegt hatte – ein Schritt, der dem Fintech mehr Sichtbarkeit bei US-Investoren verschaffen sollte.
Wise weist Vorwürfe zurück
Das Unternehmen selbst gibt sich gelassen. Man kooperiere mit der Staatsanwaltschaft, was „ein normaler Teil des Geschäftsbetriebs» sei und „weder auf eine Nichteinhaltung der Anti-Geldwäsche-Vorschriften noch auf ein sonstiges Fehlverhalten» hinweise. Wise betont, massiv in Compliance investiert zu haben – allein in den sechs Monaten bis September 2025 seien 131 Millionen Pfund für Kontrollmechanismen und die Bekämpfung von Finanzkriminalität ausgegeben worden.
Was bedeutet das für Nutzer in der Schweiz und Liechtenstein?
Wise ist im deutschsprachigen Raum weit verbreitet: Privatpersonen nutzen den Dienst für günstige Auslandsüberweisungen, KMU für internationale Zahlungen. Am Tagesbetrieb ändert sich vorerst nichts. Solange keine Sanktionen verhängt oder Lizenzen entzogen werden, bleibt der Dienst regulär in Betrieb. Dennoch dürfte der Fall die Diskussion über die Aufsicht über Fintech-Unternehmen neu entfachen – gerade in einem Land wie Liechtenstein, das als Finanzplatz auf strikte Geldwäschebekämpfung angewiesen ist.
