Pressefreiheits-Rangliste 2026: Liechtenstein rutscht erneut ab
Weltweit steht es um die Pressefreiheit so schlecht wie seit 25 Jahren nicht mehr. Liechtenstein hält sich im Spitzenfeld – mit einer strukturellen Schwachstelle.
Reporter ohne Grenzen hat die Rangliste der Pressefreiheit 2026 veröffentlicht. Liechtenstein belegt Rang 13 von 180 Ländern und wird mit einem Gesamtscore von 82.62 Punkten als «zufriedenstellend» eingestuft. Im Jahr 2022 war Liechtenstein noch in den Top 10. Nicht nur das Volksblatt-Aus und die Abschaltung von Radio L haben dazu beigetragen, dass das Land in den letzten Jahren immer weiter abgerutscht ist. Auch der schwieriger werdende Werbemarkt wird im Bericht als Grund angeführt.
Die ersten 19 Plätze belegen ausschliesslich europäische Länder. Norwegen führt die Rangliste zum zehnten Mal in Folge an; es folgen die Niederlande und Estland. Am unteren Ende finden sich unverändert Eritrea, Nordkorea und China.

Stärken und eine strukturelle Schwäche
Die Teilscores für Liechtenstein zeigen ein differenziertes Bild. Im Bereich Sicherheit erzielt das Land mit 95.83 Punkten den Bestwert: Kein Journalist wurde getötet, verhaftet oder ist verschwunden. Auch die rechtlichen Rahmenbedingungen werden mit 89.69 Punkten stark bewertet, der soziokulturelle Kontext mit 84.84.
Deutlich schlechter schneidet Liechtenstein im wirtschaftlichen Bereich ab: 65.41 Punkte – der niedrigste Teilscore des Landes. Hintergrund ist die strukturelle Schwäche des liechtensteinischen Medienmarkts: kleines Werbeumfeld, geringe Reichweite und der Wegfall des Liechtensteiner Volksblatts, das Anfang 2023 aus wirtschaftlichen Gründen eingestellt wurde. Seither gibt es im Land noch eine einzige Tageszeitung. Auch die Volksabstimmung 2024 über die Privatisierung von Radio Liechtenstein hat Fragen zur künftigen Medienvielfalt aufgeworfen. Hinzu kommen vereinzelte Bedrohungen und Verleumdungen gegen Journalisten, insbesondere im Zusammenhang mit Pandemieprotesten.
Weltweit so schlecht wie seit 25 Jahren nicht
Global gesehen zeichnet die Rangliste ein düsteres Bild. Zum ersten Mal seit 25 Jahren fallen mehr als die Hälfte aller untersuchten Länder in die zwei schlechtesten Kategorien. In 110 von 180 Ländern – also 60 Prozent – hat sich der rechtliche Rahmen für Journalisten verschlechtert. Reporter ohne Grenzen hält fest, dass weltweit nur eine von hundert Personen Zugang zu einer vielfältigen und gesunden Medienlandschaft hat. Journalismus werde zunehmend kriminalisiert, auch in Demokratien.

