Hilti Art Foundation eröffnet Ausstellung «Abstract»

Michèle Frey-Hilti

120 Jahre Abstraktion auf drei Etagen

Die Hilti Art Foundation hat heute Abend ihre neue Ausstellung «Abstract» mit einem Festakt eröffnet. Bis zum 17. Mai 2027 zeigt die Stiftung im Kunstmuseum Liechtenstein in Vaduz 55 Werke aus 120 Jahren abstrakter Kunst – darunter drei bedeutende Neuerwerbungen von Carmen Herrera, Wassily Kandinsky und Mark Rothko.

Michèle Frey-Hilti eröffnete den Abend mit einem Rückblick auf die nun elf Jahre währende Partnerschaft mit dem Kunstmuseum Liechtenstein. Die Sammlung, die mittlerweile über 500 Werke umfasst und sich von der klassischen Moderne bis zur Gegenwart erstreckt, werde bewusst der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. „Wir glauben nicht daran, dass es eine gute Idee ist, Kunstwerke in irgendwelchen Lagern verstauben zu lassen», sagte Frey-Hilti. Die Stiftung wolle, dass die Werke ans Licht kommen und möglichst viele Menschen sich mit Kunst auseinandersetzen können.

Abstraktion als Freiheitsbewegung

Dr. Karin Schick, Direktorin der Hilti Art Foundation, zeichnete in ihrer Eröffnungsrede die Geschichte der Abstraktion nach – von den ersten radikalen Experimenten um 1910 bis in die Gegenwart. Sie erinnerte daran, wie heftig die frühe Abstraktion bekämpft wurde: Ein Hamburger Kritiker beschimpfte Kandinskys Werke bei einer Ausstellung 1912 als blossen Farben- und Formenwahnsinn.

Drei Wege, drei Etagen

Die Ausstellung erkundet auf drei Stockwerken unterschiedliche Strömungen der Abstraktion. Im Erdgeschoss begegnen die Besucher der konstruktiven und konkreten Kunst nach den 1920er-Jahren – Werken von Piet Mondrian, Sophie Taeuber-Arp, Max Bill und anderen, die auf rationalen Ordnungen beruhen, aber auch das Spielerische nie verlieren. Auf der Zwischenetage wechselt die Atmosphäre: Starke Farben und der Geist der Künstlergruppen Brücke und Blauer Reiter prägen den Raum, der die frühe Abstraktion um 1910 mit ihrer Suche nach dem Geistigen und der Verbindung zur Musik zeigt. Die oberste Etage widmet sich schliesslich dem Entgrenzen der Form in Farbräumen – vom Surrealismus über den abstrakten Expressionismus bis zur Gegenwart.

Im Zentrum jedes Saals steht eine der drei Neuerwerbungen. Kandinskys Improvisation 21 von 1911 führt den Kipppunkt von Figürlichkeit in die Abstraktion vor Augen. Carmen Herreras Thrust von 1950 nimmt die Minimal Art und die Hard-Edge-Malerei vorweg und gilt als eines der ersten Werke der Kunstgeschichte, in dem Acrylfarbe die Ölmalerei ersetzt. Mark Rothkos No. 6 / Sienna, Orange on Wine (1962) entstand in einem besonders produktiven Jahr, in dem der Maler sein Verständnis von Malerei in über 30 Ölbildern fasste.

Highlights im Rahmenprogramm

Für den 22. Oktober 2026 kündigt die Hilti Art Foundation einen besonderen Abend an: Christopher Rothko reist aus New York an, um über das Werk seines Vaters Mark Rothko zu sprechen. Schick empfahl zudem die derzeit in Florenz laufende Ausstellung, welche Rothko in Dialog mit der italienischen Renaissance setzt. Ausserdem wird es erneut ein Wandelkonzert geben. Aktuelle Informationen und das vollständige Programm sind auf haf.li abrufbar.

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