Wird Kerosin in Europa knapp?

Kerosin Bunker mit nachhaltigem Flugbenzin in Frankfurt

Kerosin Bunker in Frankfurt | Foto: Gregor Meier

Europas Luftverkehr steht vor einer akuten Belastungsprobe. Kerosinvorräte schrumpfen schneller als erwartet, während geopolitische Spannungen zentrale Lieferwege gefährden. Besonders die anhaltende Unsicherheit rund um die Strasse von Hormus verschärft die Lage. Bleibt die Route blockiert, drohen bereits in wenigen Wochen spürbare Einschnitte.

Die Internationale Energieagentur schlägt Alarm. Generaldirektor Fatih Birol warnt vor einer historischen Zuspitzung. Nach aktuellen Einschätzungen reichen die Kerosinreserven in Europa nur noch rund sechs Wochen. Damit gerät ein zentrales Element der globalen Infrastruktur unter Druck: der Flugverkehr.

Versorgungsengpässe wirken sich längst nicht nur auf Airlines aus. Energiepreise steigen weltweit, da Märkte nervös reagieren und Alternativen knapp bleiben. Besonders stark trifft es wirtschaftlich schwächere Regionen in Asien, Afrika und Lateinamerika. Doch auch Europa und Nordamerika spüren den Druck. Steigende Kosten für Benzin, Gas und Strom belasten Haushalte ebenso wie Unternehmen.

Im Zentrum der Krise steht die Abhängigkeit von Importen. Rund 30 Prozent des europäischen Kerosinbedarfs stammen aus dem Ausland, ein grosser Teil davon aus dem Nahen Osten. Gleichzeitig sinkt die Raffineriekapazität innerhalb Europas. Mehrere Anlagen arbeiten bereits an der Belastungsgrenze. Ungleich verteilte Produktionsstandorte erschweren zudem eine flexible Versorgung.

Auch die Luftfahrtbranche reagiert alarmiert. ACI Europe hat die Europäische Kommission frühzeitig gewarnt. Ohne rasche Entspannung drohen Flugausfälle und Streichungen im grossen Stil. Besonders betroffen wären stark frequentierte Drehkreuze, die auf kontinuierliche Treibstofflieferungen angewiesen sind.

Politik sucht unter Hochdruck nach Lösungen. Die EU will ab Mai sämtliche Raffineriekapazitäten systematisch erfassen und deren Auslastung steigern. Ziel bleibt eine möglichst effiziente Nutzung vorhandener Ressourcen. Konkrete Massnahmen will die Kommission am 22. April vorstellen. Beobachter erwarten koordinierte Eingriffe in den Markt sowie Notfallpläne für den Luftverkehr.

Ungewiss bleibt, wie lange die geopolitischen Spannungen anhalten. Öffnet sich die Strasse von Hormus nicht rasch, droht eine Versorgungskrise mit weitreichenden Folgen. Europas Energiesystem zeigt sich in dieser Situation verletzlich. Entscheidungen der kommenden Wochen dürften bestimmen, ob die Lage stabilisiert oder weiter eskaliert.

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