Neues Tarifmodell der LKW: Kritik an Einstufung von PV-Anlagen

Erich Hasler im Landtagsgebäude am 1.4.2026

Erich Hasler im Landtagsgebäude am 1.4.2026 | Foto: Gregor Meier

Seit 2025 gilt bei den Liechtensteinischen Kraftwerken (LKW) ein neues Tarifmodell für die Netzbenutzung. Alle Besitzerinnen und Besitzer von Photovoltaikanlagen (PV-Anlagen) werden dabei unabhängig von ihrem tatsächlichen Stromverbrauch der Kundengruppe 2 zugeteilt – dem teureren Tarif mit Leistungspreis und Winterzuschlag. Für alle übrigen Kundinnen und Kunden entscheidet hingegen der Jahresverbrauch über die Einstufung.

Im Jahr 2025 lag die Grenze bei 15.000 Kilowattstunden pro Jahr. Auf das Jahr 2026 senkten die LKW diese Schwelle auf 10.000 Kilowattstunden – eine Änderung, die DpL-Abgeordneter Erich Hasler zum Anlass nahm, der Regierung in einer Kleinen Anfrage unbequeme Fragen zu stellen. Im Zentrum stand dabei die Frage, ob die Öffentlichkeit darüber ausreichend informiert wurde.

Regierung: Kommunikation erfolgt

Regierungsrat Hubert Büchel widersprach der impliziten Kritik: Die Senkung des Schwellenwerts auf 10.000 Kilowattstunden sei von den LKW mehrfach und über verschiedene Kanäle kommuniziert worden – erstmals bereits am 30. September 2025 im „Vaterland“-Artikel „Weitere Stromsenkungen – und ein Einheitstarif“.

Netzpreise gesunken, Verbrauch leicht zurückgegangen

Die durchschnittlichen Netzpreise wurden im Tarifjahr 2025 gegenüber dem Vorjahr um insgesamt 7,9 Prozent pro abgegebener Kilowattstunde gesenkt. Gleichzeitig sank der Netzabsatz zwischen 2024 und 2025 um mehr als 1,9 Prozent.

Ob diese Entwicklung als direkte Lenkungswirkung des neuen Tarifmodells gewertet werden kann, lässt sich derzeit noch nicht abschliessend beurteilen: Das Modell ist erst rund 15 Monate in Kraft. Die wissenschaftliche Literatur belege jedoch grundsätzlich die Lenkungswirkung von Leistungspreisen, so die Regierung.

Positiver Trend: Batteriespeicher boomen

Ein konkretes Indiz für eine Verhaltensänderung liefert die Entwicklung bei den Netzanschlussgesuchen: Neue PV-Anlagen werden laut Regierung inzwischen beinahe immer in Kombination mit einem Batteriespeicher beantragt. Auch die Gesuche für Batteriespeicher zur Ergänzung bestehender PV-Anlagen haben deutlich zugenommen. Hintergrund ist der Wunsch, den Eigenverbrauch zu erhöhen und die Netzbezugskosten zu reduzieren.

Die LKW begrüssen diese Entwicklung ausdrücklich und wollen auf das Jahr 2027 hin die Anschlussbedingungen für Speicher im gemischten Betrieb mit PV-Anlagen weiter erleichtern.

Offene Fragen bleiben

Konkrete Zahlen zu den Einnahmen aus Leistungspreis und Winterzuschlag sowie zum Netzabsatz in den Abendstunden (17 bis 22 Uhr) lieferte die Regierung in der vorliegenden Antwort noch nicht. Auch die Frage nach einer möglichen Korrelation zwischen den Kosten für die vorgelagerten Netze (Axpo, Swissgrid) und den Lastspitzen der PV-Kundengruppe blieb unbeantwortet.