Liechtenstein-Preis 2025: Vier Forschende aus Innsbruck ausgezeichnet
Liechtenstein-Preis 2025: Vier Forschende aus Innsbruck ausgezeichnet
Am Freitag, 10. April 2026, wurde im Regierungsgebäude in Vaduz der für das Jahr 2025 bestimmte Liechtenstein-Preis für wissenschaftliche Forschung feierlich verliehen. Ausgezeichnet wurden vier Forschende: Gabriela Gniewosz, Thomas Schubatzky und Yanliang Guo von der Universität Innsbruck sowie Natascha Kleiter von der Medizinischen Universität Innsbruck.
Eine Tradition seit 1983
Der Liechtenstein-Preis zählt zu den bedeutendsten Auszeichnungen für Forschende der Universität Innsbruck und der Medizinischen Universität Innsbruck. Er wird seit 1983 vergeben und zeichnet exzellente wissenschaftliche Leistungen aus. Die Preisverleihungen finden jährlich statt, wobei die Veranstaltungen alternierend in Vaduz und Innsbruck ausgerichtet werden.
Die enge Verbindung zwischen Liechtenstein und den Innsbrucker Universitäten gründet auf zwei bilateralen Abkommen mit Österreich: eines zur Gleichwertigkeit von Maturitäts- und Studienabschlüssen, ein weiteres zur Beteiligung Liechtensteins am österreichischen Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF). Aktuell studieren rund 160 junge Menschen aus Liechtenstein an der Universität Innsbruck.
Ausgezeichnete Forschungsarbeiten
Die drei prämierten Arbeiten aus Innsbruck behandeln aktuelle Themen aus unterschiedlichen Disziplinen.
Gabriela Gniewosz hat in ihrer Forschung untersucht, wie familiäre Wärme die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen beeinflusst. Im Mittelpunkt stand die Frage, wer in der Familie Wärme eher über- oder unterschätzt – und welche Auswirkungen das auf Entwicklungsprozesse hat, gerade in Phasen, in denen Kinder neue soziale Kontexte entdecken. Ein Thema, das angesichts der fortschreitenden Technologisierung und veränderten Familienstrukturen besondere Relevanz besitzt.
Thomas Schubatzky beschäftigt sich mit der Frage, wie Lehramtsstudierende im Fach Physik den Einsatz digitaler Medien im Unterricht erlernen können. Seine Forschung, die in Kooperation mit vier weiteren Universitäten im deutschsprachigen Raum durchgeführt wurde, zeigt unter anderem, dass eine hohe Vorab-Motivation zur Nutzung digitaler Medien paradoxerweise als Hemmnis wirken kann: Studierende, die stark auf das „Wie» des Einsatzes fokussiert sind, lernen im Seminar weniger über die Grenzen und spezifischen Vorteile digitaler Werkzeuge. Digitale Medien bieten im Physikunterricht vielfältige Möglichkeiten – von der Videoanalyse von Bewegungen über Echtzeit-Messungen bis hin zu Simulationen quantenphysikalischer Experimente.
Yanliang Guo erforschte das Verhalten kalter Materie nahe des absoluten Nullpunktes und zeigte, dass es in einem eindimensionalen Umfeld keine Unabhängigkeit gibt. Laut Pressemitteilung könnte diese Erkenntnis über ihren physikalischen Wert hinaus fast als Allegorie für das Denken in weltpolitisch herausfordernden Zeiten gelesen werden.
Staunen, Leiden, Schaffen – eine Hommage an die Forschung
Regierungsrat Dr. Emanuel Schädler würdigte in seiner Festrede die Preisträgerinnen und Preisträger mit einer Hommage an die Forschung selbst. Er spannte dabei einen Bogen durch drei Kerngedanken: Staunen, Leiden und Schaffen.
Mit dem Philosophen Aristoteles erinnerte Schädler daran, dass Philosophie und Wissenschaft ihren Anfang im Staunen nehmen – im Thaumazein, dem Sich-Verwundern über die Welt. Als Zeugnis des Leidens und der Beharrlichkeit zitierte er aus einem Reisebericht der Schweizer Schriftstellerin Annemarie Schwarzenbach über eine Stahlfabrik in Pittsburgh, in dem sie die elementare Kraft industrieller Arbeit eindrücklich beschreibt. Als dritten Pol nannte er Leonardo da Vinci – Forscher, Ingenieur und Humanist –, dem er ein Zitat zuschrieb: „Die Menschen, die etwas erreicht haben, lehnen sich selten zurück und lassen die Dinge auf sich zukommen. Vielmehr gehen sie hinaus und stellen sich den Herausforderungen.»
Schädler schloss mit den Worten: „Mögen Sie diesen Personen als Vorbild dienen – und mögen auch Sie anderen Forschenden als Menschen zum Vorbild werden. Gehen Sie weiterhin hinaus und stellen Sie sich den Herausforderungen.»
Gegenseitige Wertschätzung als Fundament
Auch der Rektor der Universität Innsbruck betonte in seiner Ansprache die besondere Qualität der Beziehung zwischen Liechtenstein und der Universität. Es sei nicht allein die gemeinsame Geschichte, die verbinde, sondern vor allem die gegenseitige Wertschätzung. Öffentliche Anerkennung sei ein mächtiger Motivator: Sie bestärke exzellente Forschung, fördere Neugier und gebe dem wissenschaftlichen Nachwuchs Rückenwind. „Sichtbarkeit ist nicht nur ein Zeichen für das Geleistete, sie ist auch ein Versprechen in die Zukunft», hob er hervor.
Die Universität Innsbruck versteht sich als Landesuniversität von Tirol und Vorarlberg – und erfüllt diese Funktion historisch auch für Liechtenstein und Luxemburg. Der Preis sei ein klares Signal in den europäischen Hochschulraum und ein Ausdruck von Verlässlichkeit und Kontinuität in der Förderung wissenschaftlichen Nachwuchses.

