Achte Wahl in fünf Jahren: Ex-Präsident Radev gewinnt in Bulgarien
Bulgarien hat gewählt – zum achten Mal innerhalb von fünf Jahren. Der ehemalige Staatspräsident Rumen Radev gewann die Parlamentswahl vom 19. April 2026 mit deutlichem Abstand. Doch trotz des klaren Siegs ist eine stabile Regierungsbildung ungewiss. Das Land bleibt eines der politisch instabilsten Mitglieder der Europäischen Union.
Ergebnis: Radev klar vorne, Koalition offen
Laut Exitpolls der Forschungsinstitute Alpha Research und Market Links erhielt Radevs Wahlbündnis „Progressives Bulgarien» rund 37,5 Prozent der Stimmen – ein Ergebnis, das weit über allen anderen Parteien liegt. Der langjährige Ex-Premierminister Boyko Borissov kommt mit seiner konservativen GERB-UDF-Koalition auf 16,2 Prozent. Die reformorientierte Allianz „Wir setzen den Wandel fort – Demokratisches Bulgarien» landet bei 14,3 Prozent. Die umstrittene Bewegung für Rechte und Freiheiten unter Delyan Peevski erreicht 8,4 Prozent, die offen russlandfreundliche Partei Wuzrazhdane 4,9 Prozent, die Sozialisten 4,1 Prozent.
Eine Alleinregierung ist für Radev damit ausgeschlossen. Problematisch ist zudem, dass er eine Zusammenarbeit mit Borissov und Peevski kategorisch ausschloss – und auch mit dem Reformbündnis WCC-DB signalisierte er keine Bereitschaft zur Koalition. Damit ist unklar, mit wem er überhaupt regieren soll.
Wer ist Rumen Radev?
Radev war Kampfpilot, bevor er 2016 überraschend zum Staatspräsidenten Bulgariens gewählt wurde. Er profilierte sich als Gegner der etablierten politischen Klasse und als Kritiker des als korrupt geltenden Parteiensystems. Im Januar 2026 trat er vom Präsidentenamt zurück, um selbst in die Tagespolitik einzusteigen. Massendemonstrationen, die im Dezember 2025 die vorherige Regierung zu Fall gebracht hatten, ebneten ihm den Weg.
Brüssel schaut mit Sorge hin
Radevs europapolitische Positionen sind für die EU beunruhigend. Er lehnt Militärhilfe für die Ukraine ab und hat sich für einen Dialog mit Russland ausgesprochen. In der Vergangenheit bezeichnete er die Krim als „russisches Territorium» – eine Einschätzung, die im Widerspruch zur EU-Position steht. Über Europa sagte er im Wahlkampf: „Europa ist zum Opfer seines eigenen Anspruchs geworden, in einer Welt ohne klare Regeln als moralischer Führer aufzutreten.»
Diese Rhetorik lässt befürchten, dass Bulgarien – ähnlich wie Ungarn unter Orbán, wenn auch aus anderen Motiven – in EU-Abstimmungen zur Ukraine zunehmend eine Sonderrolle einnehmen könnte. Gleichzeitig hat der Wahlausgang in Ungarn, wo der proeuropäische Magyar gewann, gezeigt, dass politische Wenden schnell eintreten können.
Acht Wahlen, keine Stabilität
Das Grundproblem bleibt bestehen: Bulgarien wählt seit 2021 in rascher Folge, weil bisher keine Koalition dauerhaft regieren konnte. Zerstrittene Parteien, gegenseitige Blockaden, Korruptionsvorwürfe und der Einfluss von Oligarchennetzwerken verhinderten bislang stabile Verhältnisse. Radev hat nun den stärksten Wahlsieg seit Jahren errungen – ob er daraus eine handlungsfähige Regierung schmieden kann, ist die eigentliche Frage.
