Startschuss für die Sanierung der Sportanlage Rheinau
Informationsabend der Gemeinde Balzers | Foto: Gregor Meier
An einem gut besuchten Informationsabend hat die Gemeinde Balzers den Startschuss für die erste Sanierungsetappe der Sportanlage Rheinau gegeben. Statt einer rein informativen Veranstaltung wurden konkrete Schritte eingeleitet: Für den Kunstrasenplatz werden Planungsaufträge vergeben. Die Gesamtkosten werden auf rund 15 Millionen Franken geschätzt; die Finanzierung ist über eine zehnjährige Etappenplanung vorgesehen.
Überarbeiteter Masterplan mit 15 Millionen Franken
Vorsteher Karl Malin eröffnete den Abend mit einem Rückblick auf den Weg zum revidierten Plan. Die Überarbeitung war notwendig geworden, weil die Finanzkommission, die Baukommission und der Gemeinderat Kostensenkungen gefordert hatten. Hinzu kam eine Senkung des Gemeindesteuerzuschlags, die die verfügbaren Mittel weiter reduziert hatte.
„Beibehalten, was möglich ist, sanieren, was sinnvoll ist, und erneuern, was notwendig ist» – so fasste Malin die Leitlinien zusammen. Ein Stopp der Planung sei keine Option: „Es wird schon zu lange davon geredet, dass man da etwas machen muss.»
Bedeutende Anlage mit bis zu 500 aktiven Sportlern
Die Sportanlagen Rheinau spielen eine zentrale Rolle im Balzner Vereinsleben. Beim FC Balzers trainieren rund 150 Kinder zwischen 7 und 12 Jahren sowie 65 Jugendliche; dazu kommen rund 80 Spieler in der höheren Liga und in der Seniorenliga sowie zahlreiche Trainer – insgesamt rund 300 aktive Vereinsmitglieder. Der Tennisclub Balzers zählt 177 aktive Mitglieder, darunter 40 Junioren. Der Pferdesportverein, der im Reitsport sowie im Spring- und Dressurreiten aktiv ist, hat mehr als 100 Mitglieder. An Spitzentagen – Trainings, Wettkämpfe und das jährliche Sportfest eingerechnet – nutzen bis zu 500 Personen die Anlage gleichzeitig.
Malin erinnerte daran, dass die Gemeinde bereits erheblich in die Sportinfrastruktur investiert habe. So kostete die Sanierung der Turnhalle im Jahr 2016 rund 10 Millionen Franken. „Die Sportanlage Rheinau ist ein wichtiger Teil unseres Angebots – da gibt es rund 60 Vereine, viele davon mit sportlichem Hintergrund.»
Dringlichkeit: Kunstrasenplatz nicht mehr zeitgemäss
Den dringlichsten Handlungsbedarf sieht die Gemeinde beim Kunstrasenplatz. Das eingebaute Kunststoffgranulat entspricht heutigen Umweltstandards nicht mehr; es führt zu Mikroplastik-Belastungen, die nicht länger akzeptiert werden können, erklärte Daniel Wegmüller vom Planungsbüro Wegmüller AG aus Klosters. Das Büro hatte in Balzers bereits den preisgekrönten «Blauen Platz» realisiert und zeichnet nun auch für den überarbeiteten Masterplan verantwortlich.
Der neue Kunstrasenplatz soll gänzlich ohne Granulat auskommen. Ein solcher Platz lässt sich zudem deutlich intensiver bespielen als ein Naturrasen – ein grosser Vorteil angesichts der hohen Nachfrage durch die zahlreichen Vereine. Die Submission für diese erste Etappe läuft bereits; nun folgen die nächsten Schritte, unter anderem im Umgang mit den gestiegenen Baukosten infolge des Energiepreisanstiegs.
Etappenweise Umsetzung ohne Abstimmungszwang
Alle Etappen werden als Kredit zum Referendum ausgeschrieben. Die Stimmbevölkerung hat bei jeder Etappe die Möglichkeit, Nein zu sagen. Da keine Etappe die 35-Prozent-Grenze der jährlichen Gemeindeeinnahmen überschreitet – ein Schwellenwert gemäss Gemeindeordnung, ab dem eine Volksabstimmung obligatorisch wird –, ist kein Pflichtentscheid vorgesehen.
Malin betonte, dass nahezu alle Etappen – mit Ausnahme des Infrastrukturgebäudes – aus der laufenden Rechnung finanziert werden könnten und müssten. Die finanziellen Reserven der Gemeinde seien deutlich gesunken: Bei der Abstimmung über den Dorfplatz 2019 habe die Gemeinde noch über rund 28 Millionen Franken an flüssigen Reserven verfügt. „Es ist machbar, verlangt aber Disziplin und einen haushälterischen Umgang», sagte Malin.
Den Vergleich mit einer reinen Sanierung ohne Masterplan – indexiert auf rund 8 Millionen Franken – liess Malin nicht gelten: Fehlende Elemente wie zusätzliche Garderoben für den Frauenfussball kämen hinzu, womit sich die Kosten dem Masterplan-Budget annäherten – jedoch ohne die funktionalen Verbesserungen, die der Plan bringe.
Die geplanten Etappen im Überblick
Wegmüller stellte die einzelnen Bauphasen vor. Als erste Etappe wird der Kunstrasenplatz ersetzt; die Submission läuft bereits. In der zweiten Etappe soll das Hangspielfeld direkt beim Infrastrukturgebäude positioniert werden – eine wichtige funktionale Verbesserung gegenüber der heutigen Situation, in der Spielfelder und Infrastruktur räumlich kaum verbunden sind. In einer dritten Etappe entsteht eine kleinere zweite Kunstrasenfläche (9er-Feld), gleichzeitig wird der Parkplatz umgestaltet. Als vierte und kostenintensivste Etappe folgt das Infrastrukturgebäude: Das bestehende Gebäude soll erhalten und durch einen Neubau ergänzt werden, der spätere Erweiterungen ermöglicht. In einer fünften Etappe soll schliesslich ein drittes grosses Spielfeld als Naturrasen in Normgrösse entstehen, sobald der bisherige Parkplatz durch die neue Anordnung freigegeben wird.
Peter Büchel erläuterte den Finanzbedarf und ging vertieft auf das Infrastrukturgebäude ein. Philipp Nigg, Fachverantwortlicher Baumanagement bei der Gemeinde Balzers, ergänzte die Ausführungen zur Sanierung.
Sämtliche Etappen sind funktional voneinander unabhängig; es bestehen keine technischen Abhängigkeiten zwischen den einzelnen Bauabschnitten. „Auf alle zukünftigen Gegebenheiten kann man reagieren – das liegt immer in der Verantwortung eines zukünftigen Gemeinderats», sagte Malin.
Fachleute für Fragen und Austausch
Im Anschluss an die Präsentationen standen die Fachleute für Fragen und Diskussionen zur Verfügung. An Stehtischen mit aufgehängten Plänen hatten die Anwesenden die Möglichkeit, sich vertieft zu informieren und miteinander auszutauschen. Die Gemeinde wird die Bevölkerung über weitere Anlaufstellen und kommende Informationsanlässe zu den einzelnen Etappen rechtzeitig informieren.
