Schweizer Wirtschaft wächst – aber globale Risiken nehmen zu

Schweizer Gletscher

Das KOF Institut der ETH Zürich zeichnet in seinem aktuellen Konjunkturbericht ein vorsichtig optimistisches, aber deutlich wolkenverhangenes Bild der Schweizer Wirtschaft. Unter dem Titel „Schweizer Konjunktur im Schatten globaler Machtpolitik“ prognostiziert das Institut für 2026 ein BIP-Wachstum von 1.0 Prozent – eine leichte Abwärtsrevision gegenüber der Vorprognose um 0.1 Prozentpunkte. Für 2027 wird eine Erholung auf 1.7 Prozent erwartet. Damit wächst die Schweizer Wirtschaft vorerst unter ihrem Potenzial.

Zwei Faktoren prägen die Prognose massgeblich. Zum einen hat die jüngste Neuordnung der US-Zollpolitik die Handelsrisiken für die exportorientierte Schweizer Industrie erhöht: Ein allgemeiner Basiszolltarif von 10% gilt, weitere Erhöhungen auf 15% wurden angekündigt. Zum anderen hat sich das geopolitische Umfeld durch den seit dem 28. Februar andauernden Krieg der Vereinigten Staaten und Israels gegen den Iran deutlich verschärft. Dieser Konflikt treibt die Öl- und Gaspreise in die Höhe, gefährdet wichtige Handelsrouten und belastet die Lieferketten. Das KOF Institut geht in seiner Basisprognose davon aus, dass die wirtschaftlichen Folgen für die Schweiz begrenzt bleiben und sich die Energiepreise nach einem anfänglichen Schock wieder normalisieren. In einem Alternativszenario mit dauerhaft um 30 Prozent höheren Ölpreisen läge das BIP Ende 2027 jedoch um 0.6 Prozentpunkte tiefer.

Auf dem Arbeitsmarkt zeichnet sich eine langsame Erholung ab. Die Beschäftigung dürfte 2026 moderat wachsen, die Arbeitslosenquote gemäss SECO dürfte bis Mitte des Jahres zunächst noch leicht auf 3.1 Prozent ansteigen, bevor sie sich leicht zurückbildet. Ein struktureller Dämpfer bleibt der Renteneintritt der Babyboomer-Generation, der das Wachstum des Erwerbspersonenpotenzials bremst. Der Inflationsdruck bleibt gering: Das KOF Institut hält seine Prognose bei 0.3 Prozent für 2026 und 0.6 Prozent für 2027 unverändert. Die Schweizerische Nationalbank dürfte ihren Leitzins deshalb über den gesamten Prognosezeitraum bei null Prozent belassen.

Stütze der Konjunktur bleibt der private Konsum, der 2026 real um 1.7 Prozent zulegen soll – getragen von einem soliden Reallohnwachstum und der erstmaligen Auszahlung der 13. AHV-Rente Ende 2026. Im Aussenhandel bleibt das Bild zweigeteilt: Der Pharmasektor, der inzwischen 53 Prozent der Warenexporte ausmacht, stützt die Zahlen, während Uhren, Maschinen und Elektronikindustrie weiterhin unter Druck stehen. Insgesamt haben die Abwärtsrisiken für die Schweizer Konjunktur laut KOF Institut im Vergleich zur letzten Prognose zugenommen.

(Quelle: KOF Institut ETH Zürich, Konjunkturbericht Frühjahr 2026, 18. März 2026)

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