Nvidia-Manager Marc Stampfli erklärt die vierte industrielle Revolution
Marc Stampfli, Business Director Switzerland bei NVIDIA in Vaduz | Foto: Gregor Meier
Am gestrigen Digital Summit in Vaduz zeichnete Marc Stampfli, Business Director Switzerland bei Nvidia, ein grosses historisches Bild: Die Menschheit stecke mitten in der vierten industriellen Revolution – und diese verlaufe so schnell wie keine zuvor.
Stampfli wählte einen historischen Einstieg, um die Dynamik des KI-Zeitalters greifbar zu machen. Die erste industrielle Revolution, die Dampfmaschine, habe rund 60 bis 80 Jahre gebraucht, bis sie die Gesellschaft grundlegend veränderte. Die zweite – der Strom – benötigte noch 30 bis 40 Jahre. Die dritte, der Computerchip, schaffte es in rund 20 Jahren. Und die aktuelle vierte Revolution, die KI, habe innerhalb von kaum zehn Jahren eine Massenwirkung entfaltet.
„Sie sehen, es hat sich immer halbiert“, so Stampfli. Das Muster sei eindeutig: Die Adoptionszeit werde bei jeder Revolution kürzer. Cloud Computing hingegen, betonte er, sei keine industrielle Revolution gewesen – sondern lediglich eine Verschiebung des Deployments, ohne vergleichbare gesellschaftliche Auswirkungen.
Von 2012 bis heute: Der Weg der modernen KI
KI selbst sei kein neues Phänomen – die ersten Ansätze reichten bis in die 1950er-Jahre zurück. Den eigentlichen Durchbruch der modernen KI datierte Stampfli auf das Jahr 2012, als mit neuronalen Netzen erstmals Muster in Bild-, Audio- und Sprachdaten zuverlässig erkannt werden konnten. 2018 folgte der nächste Quantensprung: Mit generativen Modellen wurden nun statt Muster zu erkennen neue Inhalte erzeugt. Der breiten Öffentlichkeit bewusst wurde die Technologie schliesslich mit dem ChatGPT-Moment 2022/2023. Seither überschlugen sich die Entwicklungen: grosse Sprachmodelle, auf Programmierung spezialisierte KI sowie zuletzt offene KI-Agenten-Plattformen, die in kürzester Zeit eine Verbreitung erreichten, für die Linux einst zehn Jahre benötigte.
Ein zentrales Konzept in Stampflis Vortrag war die sogenannte AI-Factory. Darunter versteht er eine Infrastruktur, auf der KI-Modelle möglichst effizient betrieben werden – mit dem Ziel, Tokens zu produzieren. „Wir produzieren Intelligenz“, fasste Stampfli zusammen. Tokens seien dabei nicht nur Text: Es gebe Text-Tokens, Action-Tokens, Bild-Tokens und Video-Tokens. Der Begriff müsse entsprechend weit gefasst werden.
Dies sei ein grundlegender Unterschied zur klassischen Informatik, bei der Rechenleistung als reiner Kostenfaktor galt. Heute habe das Rechnen einen Output – und damit einen Wert.
KI-Agenten: Der Roboter im Computer
Den vielleicht anschaulichsten Teil seines Vortrags widmete Stampfli den KI-Agenten. Er beschrieb sie bewusst vereinfacht als virtuelle Roboter, die auf einem Computer leben: Sie können mit dem Nutzer interagieren, Tastatur und Maus steuern, Browser öffnen, auf Daten zugreifen und verschiedene Werkzeuge einsetzen – und das alles selbstständig, ausgehend von einer einzigen Aufgabenstellung. Solche Agenten würden in den kommenden Jahren massiv an Bedeutung gewinnen.
Den Abschluss seines Vortrags bildete ein Ausblick auf physische Robotik: KI und robotische Systeme würden zunehmend zusammenwachsen – womit die vierte industrielle Revolution auch eine sehr handfeste, körperliche Dimension bekomme.
