Knapper Wahlsieg für die Grünen in Baden-Württemberg

Winfried Kretschmann

Winfried Kretschmann am 28.02.2025 in Schaan

Die Grünen haben bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg ihre führende Rolle knapp verteidigt. Nach einer intensiven Aufholjagd in den letzten Wochen vor dem Urnengang setzte sich Spitzenkandidat Cem Özdemir mit seiner Partei mit 30,2 Prozent der Stimmen an die Spitze. Die CDU mit ihrem Kandidaten Manuel Hagel landete mit 29,7 Prozent nur knapp dahinter. Auf dem dritten Platz folgt die AfD mit 18,8 Prozent. Deutlich schlechter verlief der Wahlabend für SPD und FDP.

Die Wahl markiert zugleich das Ende einer langen politischen Ära im Südwesten Deutschlands. Der bisherige Ministerpräsident Winfried Kretschmann trat nach 15 Jahren im Amt nicht mehr an. Mit 77 Jahren ist er nicht nur der dienstälteste, sondern auch der älteste Regierungschef eines deutschen Bundeslandes gewesen. Kretschmann überliess das Feld seinem Parteifreund Özdemir, der im Wahlkampf einen moderaten und wirtschaftsfreundlichen Kurs verfolgte und damit gezielt Wähler aus der politischen Mitte ansprach.

Nach der Bekanntgabe des vorläufigen Endergebnisses zeigte sich Kretschmann erleichtert. Er sei froh, nun aufhören zu dürfen, sagte er im deutschen Fernsehen, und lobte seinen möglichen Nachfolger als erfahren und umsichtig. Auch Özdemir erklärte sich nach einer längeren Zitterpartie schliesslich zum Wahlsieger.

Für die CDU kam das Ergebnis überraschend. Wochenlang hatte sie in Umfragen deutlich vorne gelegen und bereits auf einen Machtwechsel gehofft. Am Wahlabend musste sich Hagel jedoch mit dem zweiten Platz zufriedengeben. Der 37-jährige Fraktionschef im Landtag wäre im Falle eines Sieges der jüngste Ministerpräsident in der Geschichte Baden-Württembergs geworden.

Im Wahlkampf geriet Hagel allerdings wegen eines älteren Videos in die Kritik. Darin äusserte er sich über die „rehbraunen Augen“ einer minderjährigen Schülerin. Der Vorfall sorgte zusätzlich für Gegenwind.

Auf Platz drei kam die AfD mit deutlichem Abstand zu den beiden grossen Parteien. Bundeschef Tino Chrupalla sprach von einem grossen Erfolg und bezeichnete seine Partei als Volkspartei. Spitzenkandidat Markus Frohnmaier konnte das Ergebnis seiner Partei im Vergleich zur Wahl 2021 nahezu verdoppeln. Eine Regierungsbeteiligung gilt allerdings als ausgeschlossen, da alle anderen Parteien eine Zusammenarbeit ablehnen.

Ein Debakel erlebte die SPD. Mit nur 5,5 Prozent schaffte sie den Einzug in den Landtag nur knapp. Spitzenkandidat Andreas Stoch kündigte noch am Wahlabend seinen Rücktritt als Landes- und Fraktionschef an. Auch Bundesparteichef Lars Klingbeil sprach von einem bitteren Abend und verwies darauf, dass sich der Wahlkampf zuletzt stark auf das Duell zwischen Özdemir und Hagel zugespitzt habe.

Noch härter traf es die FDP. Mit 4,4 Prozent scheiterten die Liberalen erstmals in ihrer Geschichte an der Fünf-Prozent-Hürde in Baden-Württemberg, das lange als Stammland der Partei galt. Spitzenkandidat Hans-Ulrich Rülke zog ebenfalls persönliche Konsequenzen und trat zurück. Parteichef Christian Dürr sprach dennoch von einem schwierigen, aber notwendigen Erneuerungsprozess.

Auch die Linke verpasste mit 4,4 Prozent knapp den Einzug in den Landtag. Spitzenkandidatin Kim Sophie Bohnen bezeichnete das Resultat dennoch als bestes Ergebnis ihrer Partei in Baden-Württemberg.

Politisch deutet vieles auf eine Fortsetzung der bisherigen grün-schwarzen Koalition hin. Özdemir streckte der CDU bereits am Wahlabend die Hand entgegen und sprach von einer Partnerschaft auf Augenhöhe. Die Wahl gilt zugleich als Auftakt eines wichtigen Wahljahres in Deutschland. Für Bundeskanzler Friedrich Merz und seine CDU hätte ein Sieg im Südwesten einen wichtigen politischen Rückenwind bedeutet.

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