Xianwei Zhu – Ein Künstler zwischen den Welten
Xianwei Zhu bei der Eröffnung in der Bechter Kastowsky Galerie in Schaan | Foto: Gregor Meier
Im Rahmen eines Eröffnungsbrunches wurde die heute in der Bechter Kastowsky Galerie die Ausstellung «The Way of Mountains» des Künstlers Xianwei Zhu eröffnet. Der gebürtige Chinese, dessen Name übersetzt «Der grosse weisse Berg» bedeutet, war persönlich anwesend und gewährte den zahlreichen Besuchern tiefe Einblicke in sein vielschichtiges Schaffen.
Von der rigiden Ausbildung zur künstlerischen Freiheit
Wer Xianwei Zhu verstehen will, muss seinen Werdegang kennen – das wurde gestern beim gemeinsamen Abendessen und während der Eröffnung mehr als deutlich. Der Künstler absolvierte sein erstes Studium an einer Kunstakademie in China, einem Bildungssystem, das bis heute von russischen Vorbildern geprägt ist. «Es ging immer um Regeln, Materialisierung, Ordnung, Technik«, erinnerte er sich. Von 1.200 Bewerbern schafften es damals nur 40 den Aufnahmetest. Was folgte, war eine strenge Ausbildung im akademischen Stil.
Doch schon früh sehnte sich Zhu nach mehr. Während seine Kommilitonen klassische Vorbilder kopierten, faszinierten ihn Picasso und Matisse. «Ich wollte Freiheit«, betonte der Künstler gestern. Diese Sehnsucht führte ihn nach Deutschland, wo er in Stuttgart ein zweites Studium absolvierte – und eine radikale Erfahrung machte: «Plötzlich gab es keine Kontrolle mehr. Man weiss gar nicht, was man machen soll.»
Der Wanderer zwischen den Welten
Diese Zwischenexistenz prägt sein Werk bis heute. Ein Kunsthistoriker bezeichnete Zhu treffend als «Wanderer zwischen den Welten» – ein Titel, der seine Biografie wie auch seine Kunst charakterisiert. Zwischen China und Europa pendelnd, zwischen akademischer Strenge und expressiver Freiheit, zwischen ostasiatischer Transzendenz und europäischer Romantik.
Die Berge, die seinen Namen prägen, begleiten ihn dabei stets. «Ich bin ein Träumer, wenn es um die Berge geht«, gestand Zhu den Gästen. Seine Werke zeigen majestätische Felsformationen, in denen sich das Erhabene der Natur mit menschlicher Kleinheit verbindet. Wer genau hinschaut, entdeckt winzige Figuren am Rande der Bilder – Menschen, die sich in der Weite verlieren.
Erinnerungslandschaften und inspirierende Begegnungen
Inspiriert von Wanderungen durch Gebirgslandschaften und der Lyrik des Dichters Günter Kunert, entstehen Werke, die Zeit und Raum verschwimmen lassen. Musik und Poesie begleiten den Schaffensprozess, das Ergebnis sind Landschaften, die gleichermassen ruhig wie eindringlich wirken.
«Eigentlich sind die Bilder Erinnerungsbilder»
Xianwei Zhu
Die Ausstellung ist ab sofort in der bechter kastowsky galerie zu sehen – und lädt dazu ein, sich auf eine poetische Reise durch monumentale Bergwelten zu begeben.




