Wirkungslos: Albanien hebt TikTok-Verbot wieder auf
Während zahlreiche Staaten den Umgang mit sozialen Medien zuletzt deutlich verschärft haben – etwa Australien und Frankreich mit Verboten oder strikten Altersbeschränkungen – gehen andere Länder einen vorsichtigeren Weg. Auch in Österreich wird derzeit darüber nachgedacht, wie der Einfluss von Plattformen wie TikTok auf Jugendliche reguliert werden kann. Albanien hingegen hat nun eine erst vor wenigen Monaten eingeführte Massnahme wieder zurückgenommen.
Das Balkanland hob die vor weniger als einem Jahr verhängte Zugangssperre zur Videoplattform TikTok wieder auf. Die Regierung von Ministerpräsident Edi Rama beschloss die Aufhebung, wie albanische Medien am Mittwoch berichteten. Die Sperre war ursprünglich für die Dauer eines Jahres vorgesehen und war am 13. März des Vorjahres in Kraft getreten.
Auslöser der Massnahme war eine Messerstecherei unter Jugendlichen Ende 2024, bei der ein 14-Jähriger getötet worden war. Zwei rivalisierende Gruppen hatten sich zuvor über TikTok gegenseitig bedroht und schliesslich zu der Auseinandersetzung verabredet, die tödlich endete. Die Regierung reagierte darauf mit einem landesweiten TikTok-Verbot für Jugendliche und begründete diesen Schritt mit dem Schutz Minderjähriger vor Gewaltverherrlichung und Hassinhalten.
Rückblickend erwies sich die Sperre jedoch als kaum wirksam. Experten zufolge wurde sie von einem Grossteil der Nutzer problemlos umgangen. Viele Albaner griffen auf sogenannte Tunneldienste (VPN) zurück, mit denen sich die eigene IP-Adresse verschleiern lässt. Dadurch erschien der Zugriff auf TikTok nicht mehr als aus Albanien kommend, sodass die Blockade ins Leere lief.
Ministerpräsident Rama verteidigte die Massnahme dennoch. Im Dezember des Vorjahres sagte er dem Nachrichtenportal politico.eu, die Sperre habe zumindest indirekt Wirkung gezeigt. Sie habe dazu geführt, dass Gespräche mit Vertretern der chinesischen Plattform zustande gekommen seien, die er als „konstruktiv“ bezeichnete. „Die Sperre war wirksam, weil sie zur Kontaktaufnahme mit TikTok führte und einige Sicherheitsfeatures brachte, die bisher nicht vorhanden waren“, erklärte Rama.
Welche konkreten Sicherheitsvorkehrungen damit gemeint sind, ist allerdings unklar. Öffentliche Informationen über neue Filter für Minderjährige oder verbesserte Mechanismen gegen Hass- und Gewaltinhalte liegen bislang nicht vor.

