Über 88’000 Anmeldungen zum Datenschutztag 2026
Mit einer ungewöhnlichen Begrüssung eröffnete die Datenschutzstelle des Landes am Donnerstag den Datenschutztag in Triesen: Statt der erwarteten Gäste waren 88’595 Anmeldungen eingegangen – das Resultat eines automatisierten Cyberangriffs auf das Veranstaltungsportal.
Tom Lipker, Ilk Lisi und erstaunlich viele Personen mit der E-Mail-Adresse ‚Ich-Liebe-Hä[email protected]‘ füllten die Teilnehmerliste. Die Datenschutzstelle nutzte den Vorfall geschickt als Einstieg in das Thema des Tages: die oft unterschätzte Gefahr durch scheinbar harmlose Cyberangriffe.
Angriff als Lehrstück
Der Vorfall ereignete sich während der Feiertage, als ein automatisiertes Programm das Anmeldeformular mit Tausenden Fake-Anmeldungen flutete. „Kein Hollywood-Hacker im kaputten Pulli, kein dramatisches Tastatur-Gehämmer, kein grüner Text der über einen schwarzen Bildschirm flimmert«, erklärte der Dr. Marie-Louise Gächter-Alge, die Leiterin der Datenschutzstelle. Stattdessen habe es erschreckend einfach geklappt – ein perfektes Beispiel dafür, wie moderne Cyberangriffe funktionieren.
Die Datenschutzstelle interpretierte den Vorfall als „digitales Äquivalent zum nächtlichen Taxi bestellen für einen ungeliebten Kollegen» – billig, anonym und mit überschaubarem Aufwand. Doch genau darin liege auch die Gefahr: „Die Technologien, die heute eine Veranstaltung überbuchen, werden morgen genutzt, um Passwörter zu knacken, Systeme lahmzulegen oder personenbezogene Daten zu stehlen.»
Experte zeigt Hackermethoden
Höhepunkt war die Live-Vorführung von Sebastian Schreiber. Der Informatiker, der an der Universität Tübingen Informatik, Physik, Mathematik und BWL studierte, führt mit seinen 172 Mitarbeitern Sicherheitsüberprüfungen bei namhaften Unternehmen durch.
Schreiber, der regelmässig bei Messen und Kongressen als Experte auftritt, zeigte den Anwesenden anhand realer Beispiele aus seinem Arbeitsalltag, wie Hacker vorgehen. „Ich möchte Sie einladen, einen Perspektivenwechsel zu vollziehen und die Welt aus den Augen eines Angreifers zu betrachten», erklärte er. Für ihn sei dies notwendig: „Wer nicht weiss, wie Hacken geht, der wird sich sowohl im Privatleben als auch im Arbeitsleben nur schwer schützen können.»
Niedrige Einstiegshürden
Kernaussage des Datenschutztags 2026 ist, dass Hacker nicht nach dem perfekt gesicherten Tresor suchen, sondern nach dem bequemen Einstieg – nach dem ungeschützten Anmeldeformular oder dem schwachen Passwort. Die eigentliche Gefahr beginne nicht mit grossen Datenbanken, sondern lauere in unscheinbaren Details.
Trotz des ernsten Themas versuchten die Veranstalter, keine Angst zu schüren: „Wir wollen verstehen, wie Hacker arbeiten, warum sie so erfolgreich sind, und was wir konkret tun können, um es ihnen schwerer zu machen.«
Cybersicherheit betrifft jeden – und oft sind die Bedrohungen näher sind, als man denkt.

