Steuerbelastung in der Schweiz bleibt stabil – grosse Unterschiede zwischen den Kantonen

Karin Keller-Sutter

Karin Keller-Sutter (Archivbild)

Die Steuerbelastung in der Schweiz hat sich im Jahr 2025 insgesamt als bemerkenswert stabil erwiesen. Zu diesem Schluss kommt der heute veröffentlichte Steuerausschöpfungsindex 2025, der zeigt, wie stark die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit von natürlichen und juristischen Personen durch Steuern beansprucht wird. Hinter dem stabilen Landesdurchschnitt verbergen sich jedoch teils erhebliche Unterschiede zwischen den Kantonen.

Der Steuerausschöpfungsindex misst, welcher Anteil der steuerbaren Einkommen und Gewinne tatsächlich durch Steuern abgeschöpft wird. Anders als nominale Steuersätze bildet er damit die effektive Steuerbelastung auf gesamtwirtschaftlicher Ebene ab. Seit Kurzem werden natürliche und juristische Personen getrennt ausgewiesen, was ein differenzierteres Bild der kantonalen Steuerlandschaft erlaubt.

Natürliche Personen: Westschweiz an der Spitze

Bei den natürlichen Personen liegt die durchschnittliche steuerliche Ausschöpfung in der Schweiz bei 19,6 Prozent. Besonders hoch ist sie in den Kantonen Waadt (25,6 Prozent) und Genf (25,5 Prozent), gefolgt von Basel-Stadt. In diesen Kantonen wird die steuerliche Leistungsfähigkeit der privaten Haushalte deutlich stärker beansprucht als im Landesmittel.

Am anderen Ende der Skala stehen mehrere Zentralschweizer Kantone. Zug weist mit 12 Prozent die tiefste steuerliche Ausschöpfung auf, gefolgt von Schwyz, Uri, Nidwalden und Obwalden. Auch der bevölkerungsreiche Kanton Zürich liegt mit rund 91 Prozent des Schweizer Durchschnitts unter dem Mittelwert.

Auffällig ist die hohe Stabilität der Steuerbelastung über die Jahre hinweg. Auf nationaler Ebene ist sie seit 2023 nur leicht gestiegen. Diese Konstanz verdeckt jedoch unterschiedliche Entwicklungen in den Kantonen: Während einige Kantone seit 2008 eine steigende steuerliche Ausschöpfung verzeichnen, ist sie in anderen deutlich gesunken.

Unternehmen: Deutlich geringere Belastung, starke Schwankungen

Bei den juristischen Personen fällt die Steuerbelastung markant tiefer aus. Der Schweizer Durchschnitt liegt hier bei 9,1 Prozent – so tief wie seit Einführung des neuen Finanzausgleichs im Jahr 2008 nicht mehr. Gleichzeitig sind die Unterschiede zwischen den Kantonen besonders ausgeprägt.

Die höchste steuerliche Ausschöpfung für Unternehmen weisen die Kantone Wallis (20,5 Prozent) und Tessin (16,8 Prozent) auf. Demgegenüber sind Zug (2,6 Prozent) und Schaffhausen (3,1 Prozent) die Kantone mit der geringsten Belastung für Unternehmen. Diese Spannweite zeigt, wie unterschiedlich die steuerpolitischen Rahmenbedingungen für Firmen in der Schweiz sind.

Anders als bei den privaten Haushalten ist die Steuerbelastung der Unternehmen über die Jahre weniger stabil. Seit 2008 ist sie schweizweit deutlich gesunken, was unter anderem auf Steuerreformen, den internationalen Steuerwettbewerb und konjunkturelle Schwankungen zurückzuführen ist. Gewinne von Unternehmen reagieren zudem empfindlicher auf wirtschaftliche Entwicklungen als Einkommen von Privatpersonen.

Gesamtbild: Vier Gruppen von Kantonen

Setzt man die Steuerbelastung von natürlichen und juristischen Personen zueinander in Beziehung, lassen sich die Kantone in vier Gruppen einteilen. Kantone wie Genf, Bern, Tessin und Neuenburg weisen sowohl bei Haushalten als auch bei Unternehmen eine überdurchschnittlich hohe Steuerbelastung auf. Andere, darunter Zug, Schwyz oder Nidwalden, liegen in beiden Kategorien unter dem Durchschnitt.

Interessant ist auch der Einbezug der direkten Bundessteuern. Werden diese berücksichtigt, steigt die durchschnittliche Steuerbelastung deutlich an – auf 23,2 Prozent bei natürlichen und 17 Prozent bei juristischen Personen. Die Rangfolge der Kantone verändert sich dadurch jedoch nur teilweise. Besonders stark ins Gewicht fällt die progressive Bundessteuer bei einkommensstarken Kantonen.

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