ECAEF verleiht den achtzehnten Vernon Smith Prize in Vaduz

Vernon Smith Preis 2026

Prinz Phillipp von und zu Liechtenstein, Anders Ruiz Benito, Valeria Lucia Rios Sánchez, Vincent Czyrnik und Prinz Micheal von und zu Liechtenstein | Foto: Gregor Meier

Der liechtensteinische Think Tank European Center of Austrian Economics Foundation (ECAEF) hat heute Abend in Vaduz zum achtzehnten Mal den renommierten Vernon Smith Prize verliehen. Vier Studierende aus Spanien, Deutschland, Nigeria und Peru wurden von Prinz Philipp von und zu Liechtenstein und ECAEF-Präsident Prinz Michael von und zu Liechtenstein für ihre herausragenden Essays ausgezeichnet. Die zentrale Frage des diesjährigen Wettbewerbs lautete: «Werden die Armen ärmer, weil die Reichen reicher werden?»

In seiner Ansprache plädierte Prinz Michael von und zu Liechtenstein für eine sachlichere öffentliche Debatte über wirtschaftliche Ungleichheit. Er räumte ein, dass es durchaus reale Phänomene gebe, die Anlass zur Kritik böten: In den vergangenen Jahrzehnten seien die Preise für Kapitalvermögen – Aktien und Immobilien – deutlich stärker gestiegen als die Arbeitslöhne. Besonders junge Menschen hätten grosse Mühe, sich auf dem Wohnungsmarkt zu behaupten. Dies sei ein echtes Problem – doch die Ursache liege nicht im freien Markt, sondern in staatlichen Eingriffen und Regulierungen, die diesen verzerren.

«Wichtig ist, nicht Gleichheit zu erzeugen sondern Armut zu bekämpfen»

Prinz Michael von und zu Liechtenstein

Gleichzeitig verwies Prinz Michael auf die grossen Erfolge der freien Marktwirtschaft: Der Anteil der Menschen in extremer Armut sei weltweit massiv zurückgegangen, die Lebenserwartung kontinuierlich gestiegen, und der allgemeine Lebensstandard habe sich in den letzten 200 Jahren in einem historisch einmaligen Ausmass verbessert. Das verbreitete Nullsummendenken – wonach der Gewinn des einen zwingend den Verlust eines anderen bedeute – führe die öffentliche Debatte in die Irre und nähre eine staatliche Umverteilungspolitik, die das eigentliche Problem nicht löse.

Der internationale Zuspruch zum Wettbewerb war beeindruckend: Insgesamt gingen 31 Essays aus 16 verschiedenen Ländern und 4 Kontinenten ein. Eine unabhängige Fachjury wählte die vier überzeugendsten Arbeiten aus, die gestern Abend im Rahmen des Festakts geehrt wurden.

Die Preisträger im Überblick

Anders Ruiz Benito aus Spanien analysierte die Folgen staatlicher Umverteilung und Regulierung am Beispiel seines Heimatlandes. Er zeigte auf, wie ältere Bürger als grösste Nettoempfänger staatlicher Leistungen von den Steuergeldern jüngerer Generationen profitieren – und wie staatliche Wohnungspolitik durch künstlich erzeugte Knappheit einen indirekten Vermögenstransfer von Mietern zu Eigentümern bewirkt. Ruiz Benito ist Wirtschaftswissenschaftler und arbeitet in Madrid.

Vincent Czyrnik aus Deutschland wählte einen ebenso originellen wie treffenden Ausgangspunkt: den Silvestersketch «Dinner for One». Durch den Vergleich der Lebensverhältnisse der Filmfiguren um 1920 mit jenen ihrer heutigen Nachkommen veranschaulichte er, dass das Realeinkommen über alle Einkommensschichten hinweg gestiegen ist. Mit Hayeks Unterscheidung zwischen dem Moralempfinden in kleinen Gruppen und den Mechanismen grosser Marktgesellschaften erklärte er, warum dieser Fortschritt im öffentlichen Bewusstsein so oft übersehen wird. Czyrnik ist Doktorand an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.

Abudl-Wasiu Abdul-Ganiyy Olanrewaju aus Nigeria argumentierte, dass Armut vor allem dort zunimmt, wo politische Privilegien, Rent-Seeking und Korruption die Produktivität untergraben. Die eigentliche Trennlinie verlaufe nicht zwischen Arm und Reich, sondern zwischen Gesellschaften, die Wohlstand ermöglichen, und solchen, die ihn verhindern. Olanrewaju studiert Medizin in Azare und ist angehender Neurochirurg.

Valeria Lucia Rios Sánchez aus Peru widerlegte mit Bezug auf Hayek, Kirzner und Mises die These, dass Reichtum zwingend auf Kosten der Armen entstehe. Sie betonte die Bedeutung starker Institutionen, des Schutzes von Eigentumsrechten und der Rechtsstaatlichkeit als Grundlage für gemeinsamen Wohlstand. Rios Sánchez arbeitet als Junior Analystin in Lima.

Ein Wettbewerb mit Tradition

Der Vernon Smith Prize ist nach dem Wirtschaftsnobelpreisträger Vernon L. Smith benannt und wird vom ECAEF jährlich für Arbeiten vergeben, die im Geiste der Österreichischen Schule der Nationalökonomie verfasst werden. Mit Sitz in Vaduz versteht sich der Think Tank als Plattform für die sachliche und kritische Auseinandersetzung mit wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Fragen – ganz im Sinne des liechtensteinischen Engagements für liberale Ordnungspolitik.

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