Tausende demonstrieren in München gegen das iranische Regime
Demonstrationen gegen das iranische Regime | Foto: Gregor Meier
Tausende Iraner haben am Freitag am Rande Münchner Sicherheitskonferenz für den Sturz des Mullah-Regimes demonstriert. Die Kundgebung wurde vom Nationalen Widerstandsrat Iran (NWRI) organisiert. In einer Pressekonferenz erklärten der frühere britische Unterhausspräsident John Bercow und Mohammad Mohaddessin, Vorsitzender des Aussenkomitees des Widerstrandsrats die Hintergründe.
Bercow kritisiert Einladung von Reza Pahlavi
Die Einladung von Reza Pahlavi, dem Sohn des letzten Schahs, an die Sicherheitskonferenz ist für Bercow eine „himmelschreiende Schande» und „vernichtendes Urteil» über die Organisatoren bezeichnet. Pahlavi lebe seit 47 Jahren ausserhalb Irans und sei lediglich für seinen Namen bekannt, so Bercow. Er warf ihm vor, das repressive, feudalistische Regime seines Vaters bis heute nicht verurteilt zu haben.
Der britische Politiker warnte die Medien vor einer Täuschung: Es gebe einen fundamentalen Unterschied zwischen glaubwürdiger, tief verwurzelter demokratischer Opposition und der „kleinteiligen Opposition eines Mannes ohne Verbindung zum Land».

Proteste im Iran anders als früher
Bercow betonte die Einzigartigkeit der aktuellen Proteste in Iran. Anders als frühere Demonstrationen erfassen sie über 400 Städte in allen 31 Provinzen. Besonders bemerkenswert sei die bisher nicht gekannte Beteiligung junger Menschen und Frauen. Vereinzelt tauchen bei den Protesten Plakate auf, die die Rückkehr des Schahs fordern – laut Bercow eine gezielte Strategie des Regimes, dessen Agenten die Demonstrationen infiltrieren, um die Opposition zu diskreditieren.
Die Demonstranten in München forderten die Anerkennung des Rechts der Iraner auf Regimewechsel sowie die Schliessung iranischer Botschaften in Europa. Sie riefen den UN-Sicherheitsrat dazu auf, gegen die Hinrichtung von Aufstandsgefangenen und politischen Häftlingen einzuschreiten. Angehörige von Opfern der Unruhen standen vor Ort für Interviews bereit.
Ein hochrangiger NWRI-Vertreter präsentierte neue Erkenntnisse über Regimepläne, künftige Proteste brutal niederzuschlagen. Der Vorsitzende des Aussenpolitikausschusses des NWRI legte detaillierte Fakten über den Charakter des Regimes vor.
Hintergrund
Die EU hatte die iranischen Revolutionsgarden kurz zuvor auf die Terrorliste gesetzt. Bereits am 7. Februar hatten Zehntausende Iraner in Berlin protestiert – ebenfalls organisiert vom NWRI, mit Teilnahme amerikanischer und europäischer Politiker. Die iranische Opposition spricht von einem beispiellosen landesweiten Aufstand, dem das Regime mit massiver Gewalt begegnet. Die Volksmodschahedin veröffentlichte Namen von 2.411 Getöteten; mindestens 50.000 Menschen wurden verhaftet.
Die Demonstranten skandierten: „Nein zum Schah, nein zu den Mullahs» – ihr Ziel ist eine säkulare, demokratische Republik.

