Trump sorgt in Davos mit Kritik an Europa und NATO

World Economic Forum Annual Meeting 2026

Donald Trump spricht am WEF 2026 | © World Economic Forum / Benedikt von Loebell

Mit einer Mischung aus Triumphgehabe und drastischen Forderungen ist US-Präsident Donald Trump am Donnerstag beim Weltwirtschaftsforum in Davos aufgetreten. In seiner über 90-minütigen Rede feierte der Republikaner seine wirtschaftspolitischen Erfolge – und schockierte die versammelten Staats- und Wirtschaftslenker mit der erneuten Forderung, Grönland von Dänemark zu erwerben.

Wirtschaftswunder à la Trump

«Die Vereinigten Staaten erleben die schnellste und dramatischste wirtschaftliche Wende in der Geschichte unseres Landes», verkündete Trump vor den etwa 3.000 Teilnehmern des Forums. Nach eigenen Angaben habe seine Regierung im ersten Jahr der zweiten Amtszeit Rekordwerte erzielt: 52 Börsenhöchststände, Investitionszusagen über 18 Billionen Dollar und eine Kerninflation von nur 1,6 Prozent.

Larry Fink, Vorstandsvorsitzender von BlackRock, der Trump auf die Bühne holte, würdigte dessen Krisenmanagement während der frühen Corona-Monate. Die Bereitschaft des Präsidenten, «entscheidend zu handeln», sei bemerkenswert.

Radikaler Personalabbau

Trump präsentierte drastische Zahlen zum Umbau der Bundesverwaltung: Über 270.000 Bundesbedienstete seien entlassen worden – die grösste Reduzierung seit dem Zweiten Weltkrieg. Die Bundesausgaben habe man um 100 Milliarden Dollar gekürzt, das Haushaltsdefizit um 27 Prozent gesenkt. «Wir hatten keine Wahl, um das Land wieder grossartig zu machen», rechtfertigte Trump die Massnahmen.

Für jeden neuen Verwaltungsvorgang habe seine Regierung 129 alte Regulierungen abgeschafft – weit mehr als die versprochenen zehn.

Europa im Visier

Besonders scharf ging Trump mit der europäischen Energie- und Wirtschaftspolitik ins Gericht. Er bezeichnete den «Green New Deal» als «vielleicht grössten Betrug der Geschichte» und verspottete die Windenergie. «Jedes Mal, wenn sich das Ding dreht, verlieren Sie 1.000 Dollar», sagte er über Windräder. Deutschland erzeuge 22 Prozent weniger Strom als 2017, Grossbritannien nur noch ein Drittel der Energie von 1999 – dabei sitze das Land «auf der Nordsee, einer der grössten Reserven der Welt».

Europa sei «nicht wiederzuerkennen», viele Orte seien «zerstört», warnte Trump. «Ich liebe Europa und ich will, dass es Europa gut geht. Aber es geht nicht in die richtige Richtung.»

Grönland-Ultimatum

Der kontroverseste Teil der Rede betraf Grönland. Trump argumentierte, die USA hätten die dänische Insel im Zweiten Weltkrieg verteidigt und danach «dummerweise» zurückgegeben. Heute sei Grönland aus strategischen Gründen unverzichtbar für die amerikanische und internationale Sicherheit.

«Alles, was die Vereinigten Staaten verlangen, ist ein Ort namens Grönland», sagte Trump. Dänemark habe versprochen, über 200 Millionen Dollar in die Verteidigung der Insel zu investieren, aber weniger als ein Prozent davon ausgegeben. Die USA würden dort einen «goldenen Schutzschild» errichten, der auch Kanada und Europa zugutekäme.

Seine Botschaft an Dänemark war unmissverständlich: «Ihr könnt ja sagen, und wir werden sehr dankbar sein. Oder ihr könnt nein sagen – und wir werden uns daran erinnern.»

NATO unter Druck

Trump erneuerte seine Kritik an der NATO, die die USA «sehr unfair» behandele. «Wir geben so viel und bekommen so wenig zurück», beklagte der Präsident. Er beanspruchte für sich, die Verteidigungsausgaben der Mitgliedsstaaten von zwei auf fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts erhöht zu haben.

In der Ukraine-Krise sieht Trump eine Chance auf Frieden – warnte aber vor den enormen Verlusten. «Im letzten Monat starben 31.000 Soldaten», behauptete er. «Das ist dieser Raum mal 30.» Er werde sich noch am selben Tag mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj treffen und sei «relativ nah» an einer Lösung.

Handelskrieg mit Ansage

Der Präsident verteidigte seine Zollpolitik vehement. Als Beispiel nannte er die Schweiz, mit der die USA ein Handelsdefizit von 41 Milliarden Dollar hätten. Er habe zunächst einen Zoll von 30 Prozent verhängt, nach einem Telefonat mit der Schweizer Regierungschefin diesen aber auf 39 Prozent erhöht. «Und dann brach die Hölle wirklich los», erzählte Trump amüsiert.

Ähnlich sei er bei Medikamentenpreisen vorgegangen. Mit der Androhung hoher Zölle habe er europäische Länder gezwungen, ihre Arzneimittelpreise zu verdoppeln oder zu verdreifachen, damit amerikanische Preise um 90 Prozent sinken könnten. «Es dauerte durchschnittlich drei Minuten pro Land», prahlte Trump.

Innenpolitische Akzente

Im Inland kündigte Trump weitere Massnahmen an: ein Verbot für institutionelle Investoren, Einfamilienhäuser zu kaufen, eine Deckelung der Kreditkartenzinsen auf zehn Prozent für ein Jahr und die Förderung von Kryptowährungen, damit Amerika «die Krypto-Hauptstadt der Welt» bleibe.

Ausserdem kündigte er «in nicht allzu ferner Zukunft» einen neuen Chef der US-Notenbank Fed an – eine versteckte Kritik an Jerome Powell, den er als «immer zu spät» bezeichnete.

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