Neujahrsempfang: Startups rund um den See im Fokus
Der Club der Bodensee-Botschafter lud gestern zum Neujahrsempfang ins Liechtensteiner Brauhaus. Rund 50 Gäste folgten der Einladung und nutzten die Gelegenheit zum Austausch über Grenzen hinweg.
Paul Schlegel, stellvertretender Vorsitzender, begrüßte die Anwesenden und führte durch das Programm. Als Ehrengast sprach Landtagspräsident Manfred Kaufmann über die besondere Situation Liechtensteins als grenzüberschreitend vernetztes Land.
Liechtenstein lebt von offenen Grenzen
Kaufmann betonte die Bedeutung der internationalen Verflechtung für das Fürstentum. Bei rund 43.000 Arbeitsplätzen pendeln täglich mehr als 24.000 Menschen aus der Schweiz, Österreich und Deutschland nach Liechtenstein. Das entspricht 57 Prozent aller Arbeitsplätze. Der Landtagspräsident sieht darin einen Ausdruck gegenseitigen Vertrauens und funktionierender Nachbarschaft.
Trotz nur 40.000 Einwohnern erreicht Liechtenstein eine Industrie- und Exportquote, die weltweit Beachtung findet. Unternehmen wie Hilti, Hoval, Thyssenkrupp-Presta und Ivoclar zeigen, wie ein kleines Land global wirken kann. Kaufmann verwies auf konkrete Beispiele: Hilti beliefert Baustellen weltweit, Hoval-Heizsysteme stecken in der Tower Bridge, im Wembley-Stadium und im Burj Khalifa.
Stabilität als Erfolgsfaktor
Als wesentlichen Erfolgsfaktor nannte Kaufmann die Stabilität des Schweizer Frankens. 2024 feierte Liechtenstein das 100-jährige Jubiläum dieser Währungsunion. Die Zusammenarbeit im Grenzschutz mit der Schweiz und Österreich funktioniere gut und effizient.
Der Landtagspräsident sprach auch Herausforderungen an. Die intensive Bautätigkeit im Rheintal und der begrenzte Lebensraum erfordern nachhaltige Planung. Als Beispiel nannte er das geplante Landesspital, das nach Verzögerungen bei der Auftragsvergabe nun überarbeitet wird.
Die Universität Liechtenstein hat sich laut Kaufmann zu einem international anerkannten Kompetenzzentrum entwickelt – besonders in Architektur, Finance und Entrepreneurship. Studierende aus aller Welt bringen neue Perspektiven ins Land.
Grundeinkommen als Zukunftsthema

Markus Härtl, Ehrenmitglied des Clubs, referierte über das bedingungslose Grundeinkommen. Der gebürtige Bayer lebt seit 25 Jahren im Rheintal und engagiert sich seit Jahren für das Konzept.
Härtl zeigte auf, wie sich die Arbeitswelt verändert hat. Vor 200 Jahren arbeiteten zwei Drittel der Bevölkerung in der Landwirtschaft, heute sind es zwei Prozent. Trotzdem muss niemand Hunger leiden. Der technologische Fortschritt und die Automatisierung führen laut einer Oxford-Studie dazu, dass in den nächsten 10 bis 20 Jahren 50 Prozent aller heutigen Jobs verschwinden.
Das Grundeinkommen verstehe sich als Bezahlung für alle Beiträge zur Gesellschaft – nicht nur für bezahlte Arbeit. Dazu zähle auch die unbezahlte Care-Arbeit, die in der Schweiz 53 Prozent aller Arbeiten ausmacht.
2016 stimmte die Schweiz über das Grundeinkommen ab. 23 Prozent votierten dafür. In Liechtenstein gründete sich die ARG Libi, die Arbeitsgemeinschaft Liechtenstein Basic Income. Die Gruppe führt Gespräche mit Wirtschaftsvertretern und Politikern.
Härtl leitet seit zwei Jahren die European Basic Income Award-Organisation. Diese zeichnet Menschen aus, die sich besonders für das Grundeinkommen einsetzen. Die nächste Preisverleihung findet im Herbst erneut an der Universität Liechtenstein statt.
Zum Abschluss gab Vorsitzender Norbert Fritsch den Startschuss zur Botschafterinitiative 2026. Unter dem Motto «Startups rund um den See» will der Club junge Unternehmen in der Region vernetzen und fördern.


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