Die Schweiz hat heute ihren neuen Armutsbericht vorgestellt. Die Analyse zeigt klar: Armut bleibt hartnäckig. Rund acht Prozent der Bevölkerung leben mit so wenig Geld, dass sie ihr Existenzminimum kaum decken können. Besonders gefährdet sind Alleinstehende, Alleinerziehende, Kinder, Menschen ohne anerkannte Ausbildung und Personen mit ausländischer Herkunft.
Der Bericht beruht auf dem nationalen Armutsmonitoring. Dieses soll alle fünf Jahre erscheinen und die Politik mit verlässlichen Daten versorgen. Die aktuelle Ausgabe fasst umfassend zusammen, wie sich Armut in der Schweiz verteilt, wie sie entsteht und welche Risiken dazu führen, erneut hineinzurutschen.
Finanzen im Zentrum – doch Armut hat viele Gesichter
Das Monitoring misst Armut vor allem anhand der finanziellen Lage eines Haushalts. Die Berechnungen orientieren sich am sozialen Existenzminimum der Schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe. Gleichzeitig macht der Bericht deutlich, dass Armut weit mehr ist als ein leeres Portemonnaie.
Bildungschancen, Erwerbsmöglichkeiten, Gesundheit, Wohnsituation, soziale Beziehungen und politische Teilhabe beeinflussen stark, wie Menschen ihren Alltag bewältigen. Viele Betroffene erleben Einschränkungen in mehreren dieser Bereiche gleichzeitig. Das Monitoring zeigt, wie diese Faktoren zusammenwirken und Armut verfestigen.
Daten zeigen stabile, aber besorgniserregende Muster
Die Grundlagen stammen vor allem aus der Erhebung über Einkommen und Lebensbedingungen (SILC). Rund 19 000 Personen liefern dafür jedes Jahr Daten. Sie zeichnen ein konsistentes Bild: Armut geht selten rasch vorbei. Viele bleiben mehrere Jahre in prekären Verhältnissen.
Besonders deutlich wird dies bei Alleinerziehenden und Menschen ohne Berufsabschluss. Auch Personen, die trotz Arbeit kaum über die Runden kommen, bleiben ein Thema – die sogenannten Working Poor.
Politik muss Armut entschlossen bekämpfen
Der Bund will auf Basis dieses Berichts eine nationale Strategie erarbeiten. Sie soll 2027 vorliegen und die Prävention stärken. Dabei geht es nicht nur um finanzielle Unterstützung. Der Bericht zeigt, dass frühe Förderung, bezahlbarer Wohnraum, gute Gesundheitsversorgung und eine starke soziale Infrastruktur entscheidend sind.
Der Staat ist jedoch nicht allein gefordert. Viele Gemeinden, Kantone und gemeinnützige Organisationen tragen einen wichtigen Teil zur Armutsbekämpfung bei. Sie beraten, unterstützen und geben Hilfestellung, wo Sicherungssysteme Lücken haben.
Hinter jeder Zahl steht ein Mensch
Der Bericht erinnert daran, dass Armut in der Schweiz kein Randphänomen ist. Ein unerwarteter Jobverlust, eine Trennung, eine Krankheit – oft reicht ein einschneidendes Ereignis, und ein Haushalt gerät in existenzielle Schwierigkeiten. Betroffene verlieren nicht nur Einkommen, sondern auch Handlungsspielräume und oft ein Stück ihrer Würde.
Das Monitoring fordert deshalb eine Politik, die Menschen stärkt und ihnen neue Perspektiven eröffnet. Armut soll nicht nur gelindert, sondern verhindert werden.
Mit dem heute veröffentlichten Bericht liegt eine solide Grundlage für diese Aufgabe vor. Jetzt muss die Politik handeln.
